180000 $ kosten; der jährliche Unterhalt einer Schule dürfte mit 54000 $ zu bestreiten sein. An einmaligen Ausgaben wären also für fünf Schulen 900000 $
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und an laufenden, jährlich wiederkehrenden 270000 $ erforderlich. Für Einzelheiten wird auf die Kostenaufstellung im Anhang unter 8 verwiesen.
Den Schlußstein in dem skizzierten Lehrgebäude sollte die Entsendung Stu von jährlich ungefähr 100 Studenten nach Deutschland bilden. Keine Maßregel dürfte im gleichem Maße geeignet sein, uns unserm Ziele näher zu bringen, deutsche Kultur und deutschen Einfluß in China zu verbreiten. Was England, Amerika und Japan auf diese Weise schon erreicht haben, ist Beweises genug. Ein Aufenthalt in Deutschland wird ein intensiveres Eindringen in deutsche Art und deutsches Geistesleben ermöglichen. Was man mit eigenen Augen, namentlich in dem aufnahmefähigsten Alter gesehen hat, bleibt unzerstörbar haften. Der junge Student sieht deutsche Bauten und Fabriken, er lernt deutschen Fleiß und deutsche Gründlichkeit an den Hauptstellen ihres Wirkens kennen; zurückgekehrt in seine Heimat wird er zu einem Apostel zur Verbreitung deutschen Einflusses in China werden.
Als Studienfächer wären vorwiegend in Betracht zu ziehen: Technische Wissenschaften, Medizin, Staats- und Verwaltungsrecht, Nationalökonomie, Forstwirtschaft, Chemie und Pädagogik. In Aussicht zu nehmen sind 30 Schüler mit Mittelschulbildung für die höheren Maschinenbauschulen und 30 mit Abiturientenbildung für die technischen Hochschulen (allgemeiner Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen, Bergbau, Bahn- und Brückenbau, Schiffbau, Chemie). Weitere 40 Schüler mit Abiturientenbildung sollten an die Universitäten gehen als Mediziner, Veterinärmediziner, Pädagogen, Nationalökonomen und Staatsund Verwaltungsrechtler. Für alle käme ein dreijähriger Kursus in Betracht.
Um besondere Resultate zu erzielen, sollten bei der Auswahl der Studenten nur solche Absolventen unserer Mittel- und technischen Schulen, der Tsingtauer Hochschule und der Medizinschule in Schanghai berücksichtigt werden, die ihrer intellektuellen und moralischen Veranlagung nach eine Gewähr dafür bieten, daß sie einst in leitende Stellungen kommen werden.
Was das Studium selber angeht, so ist besonderes Gewicht auf die Teilnahme an praktischen Übungen zu legen; entsprechende Vorkehrungen werden sich an den einzelnen, insbesondere an den kleineren Hochschulen treffen lassen. Auch zeitweise Unterbringung der Studenten in praktischen Betrieben ist zu empfehlen.
Es besteht allerdings die Gefahr, daß diese Studenten, losgelöst von den Schranken der Familienbande und hineinversetzt in das freie deutsche Hochschulleben, ohne die erforderliche Selbstzucht dem Müßiggang und Wohlleben verfallen, daß sie den Anschluß an die eigenen Volksgenossen verlieren und sich zu einem rasselosen, auf alles Chinesische womöglich mit Verachtung herabblickenden Zwittergeschöpf entwickeln. Verschiedentlich hat man Gelegenheit gehabt, Ähnliches zu beobachten. Dem muß entschieden vorgebeugt werden. Uns muß daran liegen, Charaktere auszubilden, die bodenständig sind, die die Wurzeln ihrer Kraft aus dem eigenen Volkstum entnehmen, die mit einem
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