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Denkschrift zur Förderung des Deutschtums in China / Deutsche Vereinigung Schanghai
Entstehung
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der englischen handelt. Unsere Manie, dem gegnerischen Interesse vor dem eigenen gerecht zu werden, lähmt unsere Energie, die doch nur bei einseitiger Vertretung des eigenen Standpunktes sich voll entfalten kann. Damit im Zusammenhang steht, daß wir uns zu sehr auf die Defensive beschränken. Werden wir in der Presse in der unerhörtesten Weise angegriffen, so begnügen wir uns in der Regel damit, uns gegen diese Angriffe zu verteidigen anstatt aus den Schwächen unserer Gegner Kapital zu schlagen und den Hieb mit mit einem stärkeren Gegenhieb zu erwidern. Endlich darf nicht verschwiegen werden, daß wir uns die weitausschauende Wirtschaftspolitik Englands noch nicht zu eigen gemacht haben. Bescheidene Augenblickserfolge genügen uns und verschließen unser Auge vor den größeren Problemen der Zukunft. Dadurch haftet unserer Arbeit etwas Kleinliches und Beschränktes an.

Trotz alledem brauchen wir unsere Sache nicht als hoffnungslos anzusehen, sondern können den Kampf um den chinesischen Markt mit vollem Vertrauen auf Erfolg aufnehmen. China steht infolge des durch die Revolution bewirkten Umschwungs wieder am Anfang einer neuen Entwicklung, in die wir noch rechtzeitig eingreifen können. Die englische Sprache ist noch nicht derart eingedrungen, daß wir ihr nicht erfolgreich Konkurrenz machen können. Unserer Diplomatie sollte es möglich sein, der deutschen Sprache den ihr gebührenden Rang an den chinesischen Staatsschulen zu sichern und unsern Einfluß bei der chinesischen Regierung wieder zu heben. Unsere Finanz wird sich davon überzeugen, daß sie sich nur ins eigene Fleisch schneidet, wenn sie durch ihre Politik der Zurückhaltung der deutschen Industrie die Wurzeln einer großzügigen Entwicklung für die Zukunft abgräbt. Gegenüber der Zahl der englisch-amerikanischen Schulen werden wir durch Qualitätsleistungen unserer Schulen einschneidende Erfolge erzielen können. Die Gründlichkeit unserer Arbeitsmethoden ist den Chinesen bekannt und wird von ihnen geschätzt; der Zudrang zu der Hoch­schule in Tsingtau und zu der Medizin- und Technischen Schule in Schanghai war dieses Mal drei- bis viermal so groß wie im vorigen Jahre. China wird immer mehr erkennen, daß unter den Großmächten Deutschland neben den Vereinigten Staaten die einzige ist, die keine auf Annexion gerichtete Politik verfolgt. Je mehr diese Erkenntnis durchdringt, desto eher wird China für seine Reorganisation Anschluß an uns suchen. Für uns kommt es nur darauf an, China nicht so sehr von unserer Uneigennützigkeit zu überzeugen, die der Chinese doch nicht verstehen würde, als vielmehr davon, daß unsere gegen­seitigen Interessen Hand in Hand gehen, daß es beim Anschluß an uns keine Gefahr für seine territoriale Integrität läuft und daß wir ihm beim Ausbau seiner Schulen und der Entwicklung seiner Industrie Besseres bieten können als unsere Gegner.

Gewiß ist unsere Aufgabe schwierig; aber Schwierigkeiten sollten uns, die wir ein reiches und leistungsfähiges Weltvolk sind, nicht schrecken. Beweist doch unsere Geschichte, daß wir gerade unter schwierigen Verhältnissen immer am meisten geleistet haben. Denn an der Kraft des Widerstandes und der Größe der Aufgabe strafft sich der Wille des Volkes zur Macht.

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