— 184 —
guten "Willen ohne Schädigung wichtiger Interessen des Handels sich durchführen ließ. Man sah ebenfalls voraus, daß der mit der Vereinbarung geschaffene Zustand nur ein Provisorium bedeuten könne, dessen Abänderung geboten war, sobald der Handel eine Ausdehnung erlangt habe, die die Einschränkung der Freihafengrenze notwendig erscheinen ließ. Um sich nicht für alle Zukunft festzulegen, vielmehr jeder Verbesserung von Anfang an die "Wege zu ebnen, erhielt der Schlußartikel die Fassung: „In Anbetracht der Möglichkeit, daß mit der Entwicklung kommerzieller Tätigkeit in Kiautschou neue unvorhergesehene Bedürfnisse entstehen könnten, soll das vorliegende Übereinkommen als provisorischen Charakter tragend betrachtet werden, und beide kontrahierenden Teile erklären sich bereit, Verbesserungen darin vorzunehmen, sobald dieselben zur Abstellung von Mißständen erforderlich werden sollten, die aus der jnaktiscken Ausführung dieser Vereinbarung entstehen könnten."
D. Bedeutung der Pekinger Übereinkunft von 1899.
Damit war ein großer Schritt getan, China zu beweisen, daß Deutschland entschlossen war, loyal auf dem Boden des Kiautschou- vertrages unter Wahrung seiner Rechte allen Pflichten, die es übernommen hatte, gerecht zu werden.
1. Bedeutung für China. Kann England sich damit entschuldigen, daß in dem zu gleicher Zeit wie Kiautschou besetzten Weihaiwei kein Handel besteht, der besondere Zollabmachungen erheischt, so gab es dieselbe Entschuldigung nicht für das von den Russen okkupierte Port Arthur und Dalny. Ob Rußland jemals die Absicht gehabt hat, seiner Zusage nachzukommen, eine Zollregelung nach dem Vorbilde unserer Kolonie eintreten zu lassen, ist jetzt eine müßige Frage; Tatsache ist, daß die Zustände im russischen Okkupationsgebiete auf eine direkte Schädigung der chinesischen Finanzen hinausliefen. Im Kiautschougebiete erhielt China den ihm zukommenden Zoll; die Zollerhebung war zudem so eingerichtet, daß sie die geringsten Unkosten verursachte. Denn darüber kann kein Zweifel bestehen, daß die Zentralisierung der Zollbehörden in Tsingtau mit einer gelegentlichen Grenzaufsicht weniger Personal