Teil eines Werkes 
H. 1 (1906) Die englische Kolonialpolitik und Kolonialverwaltung / von M. von Brandt
Entstehung
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Als im Jahre 1888 in englischen Regierungs- und Privat­kreisen die Besorgnis entstand, daß andere Mächte, u. a. Deutschland, sich Zentral-Afrikas bemächtigen könnten und die englische Regierung ihren Weg nicht sah, dies zu verhindern, bot sich ein Privatmann Mr. Cecil Rhodes an, das Erforderliche zu veranlassen. Matabele- und Mashona-Land, die jetzt Süd-Rhodesia bilden, wurden als innerhalb der englischen Einflußsphäre gelegen erklärt und einer von Rhodes gebildeten Gesellschaft, der British South Afrika Company, Oktober 1889 ein Königlicher Freibrief erteilt, der ihr für 25 Jahre sehr umfassende Regierungsrechte übertrug, um die Zwecke zu erfüllen, für die sie gegründet worden war, d. h. das Eisenbahn- und Telegraphensystem der Kap­kolonie und Beschuanalands nach Norden weiterzuführen, Einwände rung und Kolonisation zu ermutigen, Handel und Verkehr zu heben und Minen und andere Konzessionen zu bearbeiten. Diesen Aufgaben ist die Gesellschaft voll und ganz nachgekommen; sie hat in ihrem von Zeit zu Zeit nicht unerheblich erweiterten Gebiet, das jetzt aus Süd-, Nordost- und Nordwest-Rhodesia besteht, im Laufe von 16 Jahren beinahe 2000 Meilen Eisen­bahnen und 3500 Meilen telegraphische und Telephon-Leitungen gebaut; ungefähr 12 500 weiße Ansiedler haben sich im Lande niedergelassen. Die Produktion von Gold betrug 1903 an Wert 850 000 £, eine Gesellschaft hat sich zur Ausbeutung eines großen Kohlenfeldes gebildet, und der Ackerbau hat solche Fort­schritte gemacht, daß die Eisenbahnen die Fracht für den zur Aus­fuhr kommenden Teil derselben auf 1 /i Penny für Tonne und Meile herabgesetzt haben. Abgesehen von diesen in erster Linie der weißen Bevölkerung zugute kommenden Erfolgen, ist unter der eingeborenen Bevölkerung des Gesellschafts-Gebiets Ruhe und Ordnung hergestellt und das materielle Ergehen derselben sehr gefördert worden. Und das alles, ohne daß es der eng­lischen Regierung einen Pfennig gekostet hätte. Ursprünglich war angenommen, daß ein Betrag von einer Million £ für die Zwecke der Gesellschaft genügen würde, und die ersten 500 000 Pfund davon wurden in ebensovielen Pfundaktien von 5000 Per­sonen übernommen, ohne daß zu einer öffentlichen Subskription oder auch nur zur Veröffentlichung eines Prospekts hätte ge­griffen werden müssen. Bald sollte es sich indeß zeigen, daß sehr viel größere Mittel erforderlich seien. Der Matabele - Auf­stand, der Ausbruch der Rinderpest, die daraus entstehenden Unruhen und der Boerenkrieg erforderten viel Geld, und bereits 1889 gab Rhodes die aufgewendeten Beträge, inkl. der Deben- ture - Schuld (Obligationen) auf ungefähr 6 Millionen £ an. Heute beläuft sich der Betrag auf über 8 Millionen, von denen 5 (1 Mill. 1889, 1 Mill. 1893, l j% Mill. 1895, 1 Mill. 1896 und 1 1 / 2 Mill. 1898) durch Anleihen, der Rest durch Ausgabe von Obligationen aufgebracht worden sind. Bewunderungswürdig und im höchsten Grade nachahmenswert ist die Bereitwilligkeit, mit der das große Unternehmen durch das Publikum unterstützt worden ist. Die Notwendigkeit, sich immer wieder an dasselbe