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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
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leit- und Westrandbergen einen spitzen Winkel, den die vorläufige Lineargrenze des 141. Längenkreises durchschneidet. In dieseGrenzwinkelebene" sahen wir vom Peripatus-Gipfel. Einen Fluß sahen wir in ihr eine kurze Strecke sich winden; aber da Ent­fernungsschätzungen durch eine Atmosphäre so wechselnden Wasserdampfgehalts, wie sie uns um­gab, sehr ungenau sind, ist die Lage des rätselhaften Flußlaufs und des Berges, der wie ein Sporn in seine Niederung greift, nicht sicher anzugeben.

Was endlich einmal in einer einzigen halben Stunde in gänzlich unabschätzbarer Entfernung jenseits der Ebene an hohen Gebirgen dämmerte, kann nicht auf die Karte gesetzt werden. Wir wer­den hier aber wohl Glieder desselben Gebirgszugs vor uns haben, den wir vier Monate früher in der Bewani-Kette überschritten hatten.

Die westwärts den Blick in die Tnlandebene ab­schneidenden Mauer-, Geleit- und Westrandberge hatten sich uns vom Freitagsbiwak aus (siehe Panorama VIII.) in ihrer ganzen Breitseite ge­boten. Jetzt spitz in der Richtung ihrer Längs­streckung gesehen, rücken sie ihre Gipfel schwer kenntlich zusammen oder verstecken sie hinter den gleich gerichteten, Sepik-näheren Höhen, aus denen der Hoffnungsfluß entspringt. Das ihnen südlich parallel verlaufende Dunstgebirge setzt sich gleich­falls ostwärts zum Sepik fort, vom Peripatus-Berg durch ein tiefes Tal getrennt, das wohl den Oberlauf des Brückenflusses birgt.

Nahe dem Westpunkt des Horizonts gibt eine Lücke in den Gipfellinien des Dunstgebirges nach schweren Regengüssen in erster Frühe den Blick in größere Ferne frei. Durch den verschwommenen Schleier des aufwogenden Regengewölks schimmert

erst und klart dann in reinstem Weiß ein Schnee­gipfel auf. In sanfter Rundung steigt die weiße Kappe von Norden her an, am unteren Ende wie in lange Zacken ausgefranst; südwärts fällt der Gipfel steil ab, um sich alsdann zu einem zweiten, spitz­kegelförmigen, schneefreien Horn noch einmal zu erheben. Die große Entfernung, zu 80 bis 100 km zu schätzen, erlaubte keine nähere Reliefdeutung des schnell in Wolken wieder eingehüllten Hoch­gipfels; sein Firnfcld wird 5000 m Höhe erreichen. Die Vermutung liegt nahe, daß dieser Schneegipfel die Juliana-Spitze der holländischen Karte (51.) ist.

Das Tal, in das die Westseite des Peripatus- Berges abstürzt, ist bewohnt; an seinen uns zuge­kehrten Osthängen waren mehrfache Rodungen zu erkennen, und Rauch stieg aus dem Walde auf. Das Tal endet im Südosten unseres Horizonts, da wo ein reich zertalter Berg, die Wachtkuppe, mit deut­lichen Rodungslücken im Wald des unteren Drittels die äußerste, uns unerreichbare Spur menschlichen Daseins verriet.

Zwischen der Wachtkuppe und den drei Zinnen verliert sich, von Bergvorsprüngen vielfach abge­bogen, der Sepik im Ostsüdosten in der Richtung auf das Victor-Emanuel-Gebirge.

Sein immer drohenderes Anschwellen nach jedem Gewitter mahnte mit jedem Tage dringender zur Rückkehr, ehe anhaltendes Hochwasser in den Felstalengen, die noch zu passieren waren, den Weg uns verlegte. Mit einem letzten Blick nahmen wir Abschied, klar fühlend, wie in der Unermeßlich­keit der Wälder, die sich nach allen Richtungen ins Unerforschte um uns dehnten, das Streben des Ein­zelnen sich verliert wie das Kielwasser eines Schiffes im Ozean.

Anhang: Berichte und Belege.

I. Zusammensetzung und Kalendarium der deutschen Grenzexpedition in das

Kaiser-Wilhelms-Land.

Von Leonhard Schnitze Jena.

Da über den äußeren Verlauf der Expedition schon mehrfach berichtet worden ist, siehe Berichte des Führers an das Reichs-Kolonialamt, im Auszug veröffentlicht im Deutschen Kolonialblatt (1910, S. 836; 1911, S. 124), Mitteil. d. Gesellsch. f. Erd­kunde zu Leipzig (1911, S. 23), Amtlicher holländi­scher Bericht (Liter.-Verz. Nr. 58), Petermanns Mitteilungen Bd. 57 (1911, S. 184, mit Irrtümern in den Personalien), ist hier Kürze am Platz.

Teilnehmer.

Europäer: L. Schultzejena als Führer und Topograph.

Bergassessor A. S t o 11 e als Geologe und Berg­mann.

Leutnant zur See A. F. H. Dalhuisen als Astro­nom (zum Ersatz des Oberleutnants F i n d e i s , der am dritten Tage des Haupteinmarsches