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nachgewiesen ist." (31.) Mit dieser ersten tastenden Erkenntnis müssen wir uns einstweilen bei petrographisehen Vergleichen begnügen.
Aber einige geologische Fingerzeige geben uns Versteinerungsfunde. In der Gegend des Oktoberflüßchens begegneten uns auf der Bergfahrt die ersten Zeichen versteinerungsführender Schichten im nahen Gebirge stromaufwärts. Auf den Kiesbänken lagen im Geröll Geoden mannigfacher Gestalt von schlanker Sichel- bis plumper Hufform „von dunklem, vielfach verkieseltem, pyritführendem Gestein, wie sie vom Himalaja bis Neuseeland bekannt sind. Unter den Versteinerungen, die diese Geoden enthalten, überwiegen bei weitem die Macrocephaliten mit M. keeuwensis G. B. und M. palmarum G. B. in der var. tenuicosta. Dazu gesellen sich Phylloceras mamapiricum G. B., Ph. strigile Blanf. und Peri- sphinetes taliabuticus G. B. Neben diesen Ammo- niten und neben Belemniten-Alveolen waren Inoce- ramus äff. galoi G. B. und eine Lima-Art zu erkennen" (63.). Diese Funde beweisen, daß der Oberlauf des Sepik jedenfalls, wenn auch auf einer noch nicht im anstehenden Gestein gefundenen Strecke, dieselben jurassischen Schichten des unteren Callovien (4.) durchsetzt, die weit westlich in den Molukken (Soela-Inseln, Taliaboe und Mangoeli) nachgewiesen worden sind.
Der erste Abschnitt der dritten Stromstrecke erreicht sein oberes Ende an einem markanten Punkt, den wir die „Bergpforte" (siehe Taf. LVII.) nennen, weil hier der Fluß einen niedrigen, wie eine Schwelle ihm quer vorgelagerten Höhenzug durchbricht, um wie durch ein Tor die iy 2 bis 2 m hohe Stufe hinab sein Wasser zu stürzen. Hier konnten wir auf dem Rückweg die Gewandtheit der Dajaks, unserer Bootsmannschaft aus Zentralborneo, bewundern : Man sah, wie der Einbaum in dem Moment, da seine hintere Hälfte noch im oberen Wasserspiegel fuhr, mit seinem Vorderteil, das schon frei über dem Sturz schwebte, der Schwere folgend, sich durchbog — dann verschwand es mit dem Führer kurz im Wassergewühl, um im nächsten Augenblick wohlbehalten davonzuschießen.
Oberhalb und unterhalb der Bergpforte ist der Baumwuchs weithin verwüstet. Mit kahlen, hellen Stämmen begleitet der ertrunkene Wald 8 km lang die Ufer; junger Nachwuchs gibt diesem Baumkirchhof unten spärliches Grün.
Im zweiten Abschnitt der dritten Stromstrecke, dessen mittleres Gefälle jetzt auf 0,34 pro 100 m wächst, tritt das Gebirge (vgl. die Panoramen VI. bis VIII.) schon näher heran. Aber erst dicht unterhalb der Stelle, wo der Hoffnungsfluß sein klares
Wasser in die trübe Sepikflut mischt, treten die Berge zum ersten Male zu engem Steiltal zusammen. Von nun an schließt uns das Gebirge ein.
D. Die Strecke der Erosion im anstehenden
Fels
durchströmt der Fluß als Wildwasser mit einem mittleren Gefälle von 0,36 auf 100 m; nur Flußmenschen von der Geschicklichkeit, Übung und Ruhe der Dajaks (54. S. 8 f.) können es mit Booten überwinden.
1. Talform.
Die Gewalt des Wassers wächst, wo es sich durch Felsengen, wie unmittelbar unterhalb des Zweifelbiwaks, zwängt. Wir sahen hier in den Zweigen der Uferbäume in der Stromrichtung geknickte Schilfbüschel 5 m über dem damals noch niedrigen Flußspiegel als Hochwassermarken hängen. Das warnte uns, rechtzeitig an den Heimweg zu denken, ehe ihn die Regengüsse des einsetzenden Nordwest-Monsuns uns abschnitten.
Zwischen dem Hoffnungs- und dem Brückenfluß weitet sich das Tal noch einmal zu einer bis fast 1 km breiten Aue, in deren Gerölle und Kiese der Fluß mit häufigen Anastomosen insel-bildend sich ii^m tief eingeschnitten hat. Dann aber treten die Berghänge näher und näher heran.
Das Relief der Uferfelsen ist in der letzten Stromstrecke so steil, daß, wo der reißende Strom ein Ausbooten der Lasten forderte, die Träger in weitem Bogen, oft lange außer Sicht- und Plörweite von uns, in Höhe von einigen hundert Metern sich einen Weg bahnen mußten.
Von einzelnen Felsengen abgesehen (siehe Karte) sind zur Zeit niedrigen Wasserstandes zwischen Uferhang und Flußspiegel wechselnd schmale Geröllstreifen eingeschaltet. Wo sie zur Hochwasserzeit, die in die Monate Dezember bis März anzusetzen ist, überflutet werden, fallen die Uferhänge dann zu reinem Kerbtal steilwandig zum Flusse ab.
Ohne die Kenntnis der Tektonik des Gebirges ist es natürlich unmöglich, zu sagen, ob der oberste Lauf des Sepik, den wir auf der Karte festlegen, in einem Längs- oder in einem Quertal fließt. Nur so viel ließ sich während der Bootsfahrt, die im Interesse der persönlichen Sicherheit alle Aufmerksamkeit für sich selbst in Anspruch nahm, feststellen, daß die Schichten des anstoßenden Ufergesteins unterhalb der Einmündung des Hoffnungsflusses in der Richtung ström auf wärts, zwischen dem Endbiwak und der nächsten Hängebrücke dagegen in der Richtung ström a b wärts einfallen.