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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
Entstehung
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. Länge des Schlüsselbeins (geradlinige Ent­fernung des äußersten acromialen vom äußer­sten sternalen Ende)......12,8 cm.

Eine eingehende Messung des Schädels habe ich, da es mir an dem nötigen Vergleichsmaterial mit anderen Schädeln Melanesiens fehlt, aufge­schoben; nur zwei maßstabgetreue (siehe Tafel XXVII.**) Abbildungen mögen dem näher inter­essierten Leser' schon jetzt die Maße selbst abzu­greifen gestatten, deren er zu eigenen Vergleichen bedarf. Hier mögen zur ersten Charakteristik fol­gende Angaben genügen:

21. Größte Länge des Schädels (geradliniger Ab­stand des in der Medianebene am weitesten vorspringenden Punktes der Glabella von dem am weitesten vorspringenden Punkt des Hinterhaupts)........17,4 cm.

22. Größte Breite des Schädels (geradliniger Ab­stand der beiden seitlich am weitesten vorsprin­genden Punkte des Hirnschädels, hier an der hinteren, oberen Grenze von Scheitelbein und Schläfenschuppe gelegen) .... 13,6 cm.

23. Der Längenbreiten-Index des Hirnschädels ist somit...........78,16.

Der Schädel ist also mesocephal (sensu Garson), mehr der Grenze der Kurz- als der der Langköpfigkeit genähert.

24. Der Stirnprofilwinkel (Winkel zwischen der Ohr-Augen-Ebene einerseits, der Linie anderer­seits, die die Stirnnasennaht mit der Mitte der Verbindungslinie zwischen den höchsten Punk­ten der Stirnhöcker verbindet), so gut er ohne eigens konstruiertes Schädelwinkel-Meßinstru­ment bei sehr schwacher Entwicklung der Stirnhöcker zu messen war, beträgt . 74 0 .

25. Anatomische Gesichtslänge (geradliniger Ab­stand der Stirnnasennaht vom Kinnpunkt)

11,9 cm.

26. Jochbogenbreite (geradlinige Entfernung der seitlich am weitesten vorspringenden Punkte der Jochbogen)........13.1cm.

27. Der Gesamtgesichts-Index ist somit . 90,84.

Der Schädel ist also leptoprosop (sensu Kollmann), nahe der Grenze der Mesoprosopie.

28. Gesamtprofilwinkel (Winkel zwischen der Ohr- Augen-Ebene einerseits, der Linie andererseits, die die Stirnnasennaht mit dem am meisten nach vorn vorspringenden Teil des Alveolar- randes des Oberkiefers in der Medianebene verbindet) .........7^°-

Der Schädel ist also schwach prognath, nahe der Grenze zur Mesognathie. Bemerkenswert ist die Konvexität des Al- veolarteils der Oberkiefer.

29. Tiefe der incisura mandibulae (= Senkrechte, gezogen von der tiefsten Stelle der Incisur zur Verbindungslinie der höchsten Punkte von proc. conoro'ides und capitulum) . 8,5 mm.

30. Breite der incisura mandibulae (Abstand zwi­schen der Spitze des proc. coronoides und der Verbindungslinie vom lateralen und medialen Gelenkende des capitulum) . . . 31,0 mm.

31. Der Index der Unterkieferincisur beträgt somit

27,42.

Die Seichtheit des Unterkiefereinschnitts fällt schon vor Anlegung des Maßstabs auf; sie erinnert an die des Neandertaler Fundes.

Diese Maße mögen für die neuerdings wieder mehrfach erörterte Frage der Neuguinea-Pygmäen (35. I. S. 494, 13. S. 319) neue zahlenmäßige Einzel­anhalte geben.

3. Die Vegetation

der obersten Stromstrecke gliedert sich naturgemäß in die zwei Formationen des Geröllbusches und des Waldes der Uferfelsen. Betrachten wir das Pflanzen­leben, wie es sich, typisch für weite Uferstrecken des Sepik im Gebirge, auf einer kleinen ufernahen

a) Geröllinsel (beim Ankerplatz XXXII., siehe Sepik-Karte IL Blatt 3) zur Zeit des Oktoberendes zusammensetzt.

Im Baurabestan d spricht sich unzweifel­haft eine Annäherung an die Vegetation der Fluß­ufer aus, die wir etwa 180 km nördlich im Bereich des Bewani kennen gelernt hatten. Die Kasuarinen, C. equisetifolia, die dort streckenweise die Sand- und Geröllsäume der Wasserläufe begleiteten, be­gegneten uns bei der Auffahrt im Sepik zum ersten­mal in einzelnen Exemplaren zwischen dem Schnel­len- und Prauenbiwak (Sepik-Karte III. Blatt 3 oben). Im Sepik-Oberlauf wird sie dann immer häufiger. Ohne daß ich es mit Blüten oder Früchten belegen könnte, sind hier auch die Buchen-ähnlich verzweigten und -belaubten Bäume und die Akazien (siehe S. 30. r.) wiederzuerkennen, die dort im Nor­den so charakteristisch ihre Äste schirmend über das Ufer breiteten.

Daneben finden sich, ohne Vergleiche mit den nördlichen Gegenden anzuregen, baumbildend Eu- phorbiaeeen, Bignoniaceen mit orangegclbcn, innen stark behaarten Blütenkelchen und Urticaceen mit Pipturus incanus.

Im Gehölz mit G r o ß b u s c h - W u c h s fällt eine Sterculiacee auf, die Äste mit kleinen scharfen Stachelchen bedeckt, die Blätter sammetartig Fein behaart. Die fünf fahlgelben, elliptisch gerundeten 2 cm langen Kronenblätter der Blüten nehmen nach