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A. Die Strecke der Riesenmäander mit breiten Hochflutüberschwemmungen
reicht von der Mündung- bis in die Gegend des 29. Dorfes.
1. Hydrographische Notizen.
Auf dieser ganzen Strecke von rund 480 km Lauflänge fällt der Strom nur rund 7 m zum Meeresspiegel, hat also auf 100 m Lauf nur 0,00146 m Gefälle. Man darf also wohl diese Stromstrecke als ausgeglichen bezeichnen, auch ohne daß durch direkte Beobachtungsreihen festgestellt wäre, daß tatsächlich keine Tieferlegung des Bettes mehr stattfindet.
Die mechanische Arbeitsleistung des Stromes scheint sich in der regenärmeren Zeit in trägem Transport von Sand- und Schlammassen zu erschöpfen. Die in unsere Karte eingezeichneten Tiefen, vielfach den Lotungen der Hamburger Südsee-Expedition (56.) entnommen, geben nur ein unvollkommenes Bild der Wasserführung, denn wir warfen, wie wohl auch die Flußfahrer vor uns, das Blei fast ausschließlich da, wo das Schiff von vornherein die günstigsten Tiefen erwarten konnte, also in der Nähe der Prallufer. Und hier konnte die Lotung meist nur auf die Feststellung abzielen, ob das Wasser die dem Tiefgang des Fahrzeugs entsprechende Tiefe habe; stand das fest, so war es praktisch gleichgültig, um wieviel sie überschritten wurde, es fehlte dann meist bei unserer beschleunigten Auffahrt die Zeit, den Grund zu suchen.
Beträchtliche Veränderungen der Tiefe an einer und derselben Stelle im Lauf weniger Wochen konnten wir mehrfach nachweisen. Hinter tiefen Kolken sahen wir häufig die Strömung erlahmen. Systematische Pegelbeobachtungen und Querschnittprofile des Bettes werden uns hoffentlich bald ein Bild der Wasserführung des Stromes zu den verschiedenen Jahreszeiten geben. Wir sahen nur auf dem Rückweg zu Beginn der Regenzeit den Wandel im Uferlandschaftsbild : wie das Bett sich bis zum oberen Rande der Steilbruchufer füllte und über unsere alten Lagerplätze hinweg die Wurzeln der dem Tode geweihten randständigen Bäume unterspülte.
Für die Richtung, in der die Überschwemmungen ins Land brechen, ist der Nordwest-Monsun gewiß nicht gleichgültig; wir sahen ihn mehrfach auf großen, Nordwest—Südost gerichteten Strecken der Mäander das Wasser in starkem Wellenschlag vor sich hertreiben; wie abgeschnitten aber strömte das Wasser ruhig, wo der Fluß, aus der Monsunrichtung abbiegend, dem Winde die nötige Wirkungs- fläclie zur Wellenerzeugung nahm.
Uber der ruhigen Strömung nahe dem oberen Ende der ersten Stromstrecke flatterten in der Mitte
des September.niedrige Wolken von Eintagsfliegen, Palingcnia papuäna, mit den Gabclenden des Hinterleibs in der trüben Flut schleifend.
Schon vor Beginn der Regenzeit, im September, verfärbt der Sepik meilenweit das Meer; mattgrünlich schichtet er sein trübes Wasser über die See, die unsere Schiffsschrauben aus der Tiefe zu klarer, dunkelgrüner Kiel Wasserstraße aufwühlten.
2. Die Vegetation
längs der unteren Stromstrecke läßt weit ins Land den Einfluß der übertretenden Hochfluten erkennen. Die ersten 60 km von der Mündung stromaufwärts begleitet den Strom beiderseits ein im allgemeinen kümmerliches, lichtes Gehölz, das unmittelbar an die Ufer herantritt. Hinter den Gruppen hoher Kasuarinen, die nicht mehr der Strom-, sondern schon der Strandvegetation in unmittelbarer Meeresnähe angehören, beginnt ein mangrove-ähnliches Gehölz, das schnell in den Uferwald übergeht. Sago- und Kentia-Palmen, Pandanus und noch in 12 km Meeresentfernung vereinzelte Kasuarinen geben sich schon dem flüchtig Vorbeifahrenden unmittelbar am Uferrand oder hinter dem Schilf zu erkennen, das in unregelmäßig abgerissenen Bändern und Flecken die Ufer begleitet.
Aber ungefähr vom Dorfe Imbuando ab stromaufwärts bis in die Gegend von Tscheßbandai, also längs einer rund 260 km langen Stromstrecke, tritt der Wald zurück, und flaches Schilf-Grasland dehnt sich, zuweilen unübersehbar, zu beiden Ufern. In die Flur der stattlichen Alang-Alang-ähnlichen Gramineen, deren Artzugehörigkeit nicht festgestellt werden konnte, sind stellenweise niedrige, vereinzelte Bäumchen und Büsche eingestreut. Oft aber verschwindet das Gehölz vollständig in den Halmen. Das an Urwaldenge gewöhnte Auge weidet sich an diesen grünen Fernen; kleine Seen unterbrechen hier und da und beleben die sonnenbeschienene Aue mit Scharen von Enten oder weißen Reihern.
Nicht selten verdüstern sich diese freundlichen Gefilde zu einem toten Grau mit allen Spuren gewaltsamer Vernichtung. Hier haben die Papua die Aue weithin in Brand gesteckt: in der Ferne sieht man, wie Sagopalmen mit ihren steifen, vom Rauch braun gebeizten Wedeln dem Feuer Halt geboten haben. Im September stiegen vielfach hohe Brandwolken aus der Fläche, bald weißwolkig hoch aufwallend, bald dunkel schwelend, die tieferen Luftschichten so trübend, daß in ihrem Bereich die Sonne mit seltsam violett leuchtenden Farben unterging.
Das Uberschwemmungswasser ist der stärkste Feind des Baumwuchses; dichten Wald finden wir