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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
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niedrigt, als auch einem doppelten Fußboden Halt nach Art eines Gerüstbaues. Der untere Fußboden mit Dielenschwellen und Brettern aus Sagorinde ruht auf versteiftem Rahmen und trägt einen Herd. Der obere Fußboden ist dem unteren ganz entspre­chend gebaut, nur daß Latten aus dem Stamm der Kentia-Palme als Dielenbretter verwendet sind; vier Lagerstätten dienen den Wächtern zur Ruhe. Drei Seiten des Wachthauses umzieht eine fensterlose Wand aus zusammengenähten Wedelrippen der Sagopalme, an die sich von innen wagerecht Stütz­stäbe schließen.

Zu offenem Ausguck bleibt nur die eine Giebel­front des Hauses frei. Auf freien Blick und leichte Sicherung zielt auch der Standort des tragenden Baumes; der um hohe Steilabbruch des Geländes zum reißenden Po-Flüßchen umgibt die Späher wie mit einem Festungsgraben, und das nackte Kiesfeld im Uberschwemmungsbereich verbietet dem Feinde jeden Schleichweg.

Zum Schutz gegen Pfeilschüsse flicht sich der Krissi- und Sekofro-Krieger einen Korbpanzer aus Rotang. Es sind (siehe Taf. XXXVI., d, e, f) tonnenförmige Gebilde, kreisrund im Querschnitt, der bald sich gleich bleibt wie im Zylinder, bald aus­gebaucht und taillenartig nach unten sich verengt. Das Geflecht gleicht dem der kleinen, topfförmigen Körbe von Sko (Taf. XXXVI., c) in der längsstrei­figen Verknüpfung spiral eng übereinander gerollter Rippen. Das Geflecht der starren Tonne setzt sich nach oben in zwei bewegliche, wie die Korbwand geflochtene Lätze fort, einen höheren zum Schutz des Nackens, einen niedrigeren vorn, der die Brust schützt. Die senkrechten Seitenränder jedes Latzes sind mit dickem, weichem Bastgeflecht besäumt, das nahezu rechtwinkelig und beweglich vom Rohrgeflecht absteht und so Seitenschutz gewährt. Die Bastsäume lassen jederseits einen Ausschnitt für die Achsel zum Durchtritt der Arme frei, die dadurch uneingeschränkten Spielraum zur Hantie­rung mit Bogen und Pfeil erhalten. An den vor­deren Bastsäumen ist ein grober Baststrick (in den Abbildungen fehlend) henkelartig eingeknüpft und wird als Tragschnur um den Nacken gelegt. Welche Bedeutung an der Grenze von Hinterlatz und Korb ein erbsengroßes, im Flechtwerk ausgespartes Loch hat, ist mir ebensowenig klar geworden wie die Rolle der eigentümlichen Reihe von Halbringen, die in der Mittellinie des Hinterlatzes nach oben zieht.

Da solche Panzer auch an der Küste Neugui­neas östlich von Germaniahuk, so im Angriffshafen (to. S. 337) und in Sissano (35. I. S. 305) im Ge­brauch und auch den Wutong vertraut sind, so möge ein Wutong-Mann, der in einen der Krissi-Panzer

Mitteilungen a. d. D. Schutzg ebieten, Ergänzungsheft n.

schlüpfte, um unter seinem Schutz einen Schein­angriff auszuführen, uns zeigen, wie sich ein Bogen­schütze seiner bedient (siehe Taf. XXIII., 3 bis 5). Dem Schild gegenüber hat der Panzer den großen Vorzug, die Beweglichkeit der Gliedmaßen in keiner Körperhaltung zu beeinträchtigen. Mit einem Holz­schild, wie wir es früher kennen gelernt hatten, kann der Mann nur in aufrechter Haltung kämpfen. Der Panzer gestattet ihm aber, in Sitzstellung zu sinken, bei der die Beine, das eine vor-, das andere zurückgezogen, beide vom Gesäß bis zur großen Zehe dem Boden fest angeschmiegt, dem Rümpf eine breite Stützfläche bieten.

Beugt sich der Körper weit vornüber, so legt sich der Nackenlatz wie der Nackenteil eines Schildkrötenpanzers schützend über das Hinter­haupt, und wo hinten die unmittelbare Rücken­deckung aufhört, springt die geräumige Rundung genügend hoch vor, um Pfeile von der entblößten Kreuzgegend abzufangen.

Der Nutzen der weichen Bastsäume, die beider­seits am Nackenlatz sitzen, tritt am deutlichsten hervor, wenn der Angriff des Gegners mehr von der Seite erfolgt (siehe Taf. XXIII., unterste Abbil­dung) ; der linke Saum gibt da beweglich der ge­hobenen Schulter des Armes nach, der den Bügel des Bogens faßt und in schneller Streckung spannt.

Auf dem Ellenbogen stets des rechten Armes ruht die ganze Last des Vorderkörpers; der Pfeil kommt, da ihn der stehende Schütze immer der linken Bügelkante anlegt, beim Niederlegen in die geschilderte tief duckende Anschlagstellung von selbst in die hier einzig brauchbare Orientierung über dem Bügel.

Der asymmetrischen Beinlage, bei der die Fuß­sohle des einen Beines gegen die Streckfläche des anderen Oberschenkels zu liegen kommt, wird in an­deren Fällen eine symmetrische Lage mit beiderseits stark abgespreizten Oberschenkeln vorgezogen.

c) K a n a k e n s c h r e c k.

Ob der geflochtene Korbpanzer, der einen be­zeichnenden einheitlichen Zug in den materiellen Besitz der Horden von der Küste bis mindestens 50 km landeinwärts bringt, auch über das Bewani- Gebirge hinausreicht, ist einstweilen nicht zu sagen. Denn in der Ebene des Umkehr-Flusses stießen wir auf keine Siedelungen; die liegen abseits im Walde, nur eine schweifende Horde begegnete uns am Fluß bei unserem NachtlagerKanakenschreck".

Nahe an das Flußufer selbst, an das wir dort gebunden waren, tritt nur selten ein Garten; der größte maß annähernd 30 qm und bestand aus Taro-,

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