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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
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unserer Wanderschaft im Nordbereich begegneten. Über die Flora des Peripatus-Gipfels, 180 km weiter südwärts im Innern, wird im Anschluß an die Pflanzenwelt der Sepik-Ufer später berichtet.

Überblicken wir das Pflanzenkleid unseres Wandergebiets, so sehen wir es zum mindesten bis rund zu den ersten 1600 m Meereshöhe trotz allen Wechsels im einzelnen und trotz mancher nur ihm eigentümlichen Formen im ganzen doch den Cha­rakter eines unübersehbar bunten Mischwaldes vorwiegend malayischer Zusammensetzung (59., 60.) beibehalten, bevölkert von einer zwar ebenfalls an Endemismen reichen, im übrigen aber (vor allem in den höheren Ordnungen) auf Australien weisenden Tier­welt. Weniger einheitlich und ungleich verwickelter sind die geographischen Beziehungen der niederen Tierwelt, die den Wald von den Wipfeln bis herab zu dem toten Gerüst seines untersten Stockwerks in schier unendlicher Artenfülle bewohnt. Höhen oberhalb 1600 m erreichten wir nicht; aber ein fernes Schneefeld, das von der Höhe des Peripatus-Gipfels gesehen, im äußersten Westen glänzte, weist dem Biologen späterer Expeditionen einen verlockenden Weg ans der heißen Urwaldpracht der Niederungen durch alle Zonen bis in die Eiswüsten des Firns.

3. Die Eingeborenen.

Einem Walde, wie wir ihn im Vorhergehenden kennen gelernt haben, sind Menschen, die noch kein Metall kennen, nur wenig gewachsen; mit Steinbeil und Feuer und tödlichem Ringrindenschnitt zwingen sie dem Urwald nur in bescheidenstem Maße soviel Platz ab, als Hüttenbau und Gartenanlage fordert. Unmittelbar an die Siedelung grenzt das Dickicht unversehrt, denn von einem Pfad kann man kaum reden, wo die Papua, wie das Wild auf seinem Wechsel, nur Spuren häufigeren Begehens hinter­lassen haben, jedes kleine Hindernis in Schlangen­windungen umgehend; nur hie und da weist ein ge­knickter Zweig dem Suchenden die Richtung.

Dreierlei Landschaften laden den Eingeborenen des Kaiser-Wilhelm-Landes, wenn ihn nicht die Furcht vor Feinden auf unwirtliche Berghöhen treibt, zur Siedelung ein: wo der Wald von Sumpfwässern natürlich vorgelichtet und dem Ge­deihen der Sagopalme günstig ist; oder wo er wie das Sepik-Gebiet im großen, das der Tami-Zu- flüsse im kleinen zeigt mit schärfer gezeichneter Grenze einem Flußbett entlang hinter freiem Ufer- saum zurückweicht; oder endlich, wo er in Front einer Flachküste noch weitere Strecken freigibt.

Die Bewohner der Sko-Landschaft haben, wie wir sahen, bei vollem Genuß der letztgenannten Gunst auch an den erstgenannten Vorzugslagen teil;

Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, Ergänznngsheft xi.

die Bewohner des Hinterlandes aber, denen wir uns jetzt zuwenden, haben schwereren Daseinskampf zu bestehen. Was die Natur den Küstenbewohnern verschwenderisch bietet: freien Raum und Blick, frische Luftbewegung, Himmelslicht und schnell trocknenden Boden, das muß ihr der Binnenländer mühevoll abtrotzen.

a) M ossu S e k 0 fr o T.

Verhältnismäßig leicht gelingt dies dem Ein­geborenen in den küstennahen, ebenen Gebieten des Tami-Systems; so am Mossu-Flüßchen, wo sich vom hohen Steilufer seines Unterlaufs sichernder Uber­blick über breite Kies- und Sandufer und in fein­erdigen Anschwemmungen fetter Gartenboden bietet. An einer solchen Stelle Hegt, 9 km in südöstlicher Richtung von der Tami-Mündung entfernt, die als Mossu auf der Karte eingetragene Siedelung, zwei Hütten an der Mündung eines klaren Baches, der von den Korallenkalkbergen kommt und einen kleinen Sagopalmenbestand im sommerlichen Uber- schwemmungsbereich tränkt.

Schon beim ersten Anblick (siehe Taf. I) füllt der Gegensatz zu den Hütten an der Sko-Küste auf. Statt quadratischer Bauten mit hoch ragendem Py­ramidendach niedrige Rechtecks-Hütten mit lang gestrecktem First, statt freier Erhebung über ebenem Boden vorsichtiges Anschmiegen an den natürlichen Schutz des LJferabfalls, dem immer die eine Giebelfront zugekehrt ist; die Gcrüstpfähle sind hier entsprechend höher als an der entgegengesetz­ten Front, deren Wand den Erdboden fast berührt. Der schwächeren Bauart entsprechend sind die Un­terzüge nur durch einen starken Querbaum ver­treten, der dem Boden direkt aufliegt.

Trotz der äußerlich stark abweichenden Ge­samtform kehren doch charakteristische Züge des Sae-Typus unverkennbar wieder: so die Verwen­dung starker Pfähle, die auf ihrer Stumpffläche das Fußbodengebälk tragen. Auch dessen Zusammen­setzung aus Längs- und Querbalken kehrt wieder, wenn auch das Zahlenverhältnis beider (8 : 37) in der abgebildeten Hütte ein anderes als im Sae- Hause ist. Ubereinstimmend sind ferner die Dielen­schwellen (11 Palmstammbrettchen) und die Dielen­bretter (Sagoblattrippen) gelegt, und hier wie dort hängt der Herd (siehe Fig. 6) an Rotang-Schnüren in den Pfahlraum, gelegentlich durch einen beim Roden stehengebliebenen Baumstumpf von unten gestützt.

Von den vier Stumpf-Pfählen des Fußbodens abgesehen, wird die Anordnung der Pfähle vom Dach beherrscht. Drei starke Pfähle, oben durch Versteifungszangen verbunden, bilden eine' Mittel-

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