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XXIII., 2) wird der Bogen, senkrecht gehalten, von beiden Armen fast gleichzeitig in Spannung gebracht. Der linke Arm stemmt in gerader Streckung den Bügel vom Körper ab, der rechte zieht in • starker Beugung mit erhobener Schulter die Sehne zurück, so daß im Moment des Pfeil-Abschnellens die Hand in Wangenhöhe steht und damit das Geschoß dem Auge in Visiernähe rückt. Die linke Hand bietet mit dem Daumenballen dem fest sich gegenlehnenden Bügel genügend Halt, um die Finger zur Lagesicherung des Pfeils in der Zielrichtung frei zu geben. Der Zeigefinger wird bald auf den Pfeil, bald, stärker gekrümmt, über den Pfeil gelegt; zuweilen gibt der Daumen von innen und der Mittelfinger von unten her dem Pfeil noch sorgfältigeren Halt. Im allgemeinen aber genügen der Zeigefinger von der einen, die linke Bügelkante von der andern Seite, die Lage des Pfeils zu sichern. Diese Beschränkung wird zur Notwendigkeit, wenn die Hand, da Köcher fehlen, zugleich mit dem Bügel ein ganzes Pfeilbündel zu greifen hat.
Daumen und Zeigefinger der rechten Hand drücken das Pfeilende gegen die Sehne, die weiter rückwärts zwischen ihnen hindurchgeht. Der Mittelfinger hauptsächlich, zuweilen zu seiner Unterstützung auch der vierte Finger, hat die Aufgabe, auf die Sehne, um die er sich hakt, die Zugkraft des Armes zu übertragen, während die beiden letzten Finger, meist weniger stark gebeugt, die Sehne nur wie Reservespanner bald mehr bald weniger umgreifen.
Einen Anschlag im Sinne schußfertiger Ruhelage habe ich nicht gesehen, Spannen und Abziehen folgt sich im Augenblick; dann erstrafft auch die ganze übrige Muskulatur: der Nacken steift sich, der Bauch wird eingezogen, die großen Schenkelstrecker treten vor und die Zehen krallen sich am Boden fest.
In der Waffenführung gleichen die Bewohner des Hinterlandes ganz denen der Sko-Küste. Sie unterscheiden sich aber von ihnen in zwei Punkten der Trac h t. Nie sah ich an der Küste Rasur des Kopfes; im Gegenteil gilt möglichst starkes, durch Kämme noch künstlich aufgeplustertes Haar, das nur hier und da über der Stirn ein wenig entfernt wird, als Zierde des Mannes. Der Scheitelschopf auf kahlem Schädel kommt, je weiter wir landeinwärts gehen, desto mehr in Mode.
Nie sah ich ferner bei den Männern der Sko- Dörfer als Penishüllen andere als die kleinen, dünnschaligen, zierlich-leichten, zum Schamberg aufstrebenden Kapseln in Birnform. Wo immer in den Hütten des Binnenlandes eine Penishüllc zu finden oder vom Träger an Ort und Stelle zu erwerben
war, in Njau, Krissi, Zoutbron und am Wiederkehr- Fluß, überall waren es (siehe Taf. XLL, a, b, c) die großen, dickschaligen, schweren, plump herabhängenden Eierformen. Hier liegen also örtlich abgegrenzte Trachten vor, die sich nur vermischen, wenn das Schicksal Binnenländer zur Küste verschlägt, wo sie neben dem dort gültigen Birnenkürbis bald auch europäische Lappen benutzen werden.
b) K r i s s i.
Auch für die Männer von Krissi (einer Siede- lung von fünf Hütten auf einer nördlichen Randhöhe des Bewani-Gebirges), die sich den Holländern stellten (58. S. 89), gilt hinsichtlich Haartracht und Peniskapsel-Modell das eben Gesagte. Es scheint, daß die Eingeborenen des weiten Gebiets, das sich vom Küstenbergland südwärts über das Bewani- Gebirge zur Inlandebene erstreckt, in ihrer materiellen Kultur eine im großen und ganzen einheitliche Gruppe bilden. Freilich ein Vorstoß, wie wir ihn mit spärlichen Rasttagen in selbstgeschlagencn Waldpfaden, nur hier und da auf fluchtartig verlassene Siedelungen stoßend, in scheuer oder feindlicher Berührung mit den Eingeborenen zu unternehmen hatten, könnte allein kein hinreichendes Material zur Abgrenzung von Kulturprovinzen liefern. So sind die folgenden Mitteilungen über Geräte nur Stichproben, bei denen für jedes Stück der Fundort ausdrücklich angegeben sei.
Zunderkugeln (siehe Taf. XXXVI., a), wie sie ein Mann von Zoutbron bei sich führte, fanden sich in Krissi-Hütten wieder. Es sind apfcl- bis kinds- kopf-große Gitterkugeln aus grobem Rotang-Ge- flecht, dessen Inneres mit leicht entzündbarem, zerzupftem Fasermaterial gefüllt ist.
Die Krissi-Leutc bedienen sich einer Räucher- vorrichtung (siehe Fig. 8), ähnlich der, die von Nacheibe, einem Dorf der Küste zwischen Tana- merah- und Humboldt-Bai, beschrieben (48. Taf. I. 15) worden ist. Zwei Baumrinden-Streifen sind zu einem rund 40 cm hohen Zylinder von etwas kleincrem Durchmesser zusammengenäht; den Boden bildet ein Rost aus rechtwinkelig sich kreuzenden Stabreihen, die, über die Zylinderflächc hinausragend, an vier Stellen an einen Rundreifen geknüpft sind. Ein Basthenkel, am Versteifungsring der oberen Zylinderöffnung befestigt, hält das Räuchergefäß schwebend über dem Herdfeuer.
An einen Fund in Mossu schließt sich die Hand-_ trommel (T: atfj, M: kohgän) von Krissi an. Ein ausgehöhltes Stück Baumstamm von % m Länge, roh in Sanduhrform geschnitzt, mit rohem Längsgriff in der oberen Hälfte, mit Waran-Haut (in Mossu mit Bauchhaut vom Schwein) bespannt.