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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
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Die Temperaturen, unter denen die Wassertiere des Urwaldes leben, entsprechen, in unserem Maß­stab ausgedrückt, denen eines warmen Wannen­bades. An Südwinter-Nachmittagen übersteigt die Temperatur nicht selten 30 0 C. Bei der Station Hössin wurden 32 0 C bei 29 0 Lufttemperatur um 4 Uhr nachmittags am 27. Juli im Schatten halb- mannstief unter der Oberfläche gemessen. An der­selben Stelle war die Wassertemperatur in der Mor­genkühle um 6 Uhr früh bei 22 0 Lufttemperatur auf 27° gesunken. In dieser Höhe hält sie sich meist mit Schwankungen nach oben. Selbst in Gebirgs- nähe, wie bei Sekofro, hielt sich das Wasser des munter fließenden Baches auf°C; erst am Fuße des Gebirges in rund 200 m Meereshöhe, bei Schnel­leneck, erquickte uns mit 20,5° C ein ,,kühles" Bad.

Von Krebsen sind Garnelen mit Palaemon car- cinns und Leander longicarpus, Krabben mit einer Sesarma-Art im Unterlauf des Tami häufig. In den klaren Gewässern des Bewani-Oberlaufs leben auf steinigem Grunde Peritelphusa-Krabben, mit Jungen unter dem Hinterleib.

Als letzter Bewohner der Urwaldflüssc sei kurz der Reptilien gedacht. Gemein ist ein Wasserwaran, Varanus indicus. Die selteneren Schildkröten der Gattung Emydura erinnern uns, daß wir in altem australischen Faunengebiet sind. Dem weiten Archipel aber gehört das Krokodil an, das auch der Schrecken unserer Insel ist. Ein 4,47 m langer Cro- codilus porosus zog einen großen Jagdhund, der sich unvorsichtig dem Tami-Ufer nahte, lautlos in die Tiefe. Zu Zeiten liegen diese Riesenreptile einige hundert Meter jenseits der Tami-Mündung draußen im Meer, lassen sich regungslos an der Oberfläche treiben; hinter dem dreieckigen Kopf taucht nur der dunkle Zackenkamm des Rückens und Schwanzes aus dem Wasser auf so mögen sich die Saurier in den warmen Meeren der Vorzeit gesonnt haben.

c) Der Gebirgs wa 1 d zwischen 900 u n d 1600 m Höhe.

Der Tami und seine Nebenflüßchen verwehrten mit ihren Untiefen und Baumversperrungen unseren gekielten; Booten die Auffahrt ins Binnenland. In ihrem Mittellauf aber führten sie uns oft lange Strecken bequemen Marsches in breiten Kiesbetten zum Fuß des Gebirges. Beim Steilanstieg folgten wir, wo es irgend anging, den Gießbächen seines Qnellgebietes, von Block zu Block im Wasser selbst oder, wo das Tal weniger eng war, seitlich über die Geröllfelsblöcke kletternd.

Den Wechsel der Flora mit steigender Meeres­höhe zu verfolgen, hätte eingehenderes Sam­meln erfordert, als unsere Hauptaufgabe zuließ.

Aianches Gewächs, das wir zuerst in der Flöhe sahen, kann uns in tieferen Lagen entgangen sein. Aber auch dem floristisch weniger geschulten Auge fällt nach einem Anstieg von 1000 m der veränderte Charakter der Pflanzenwelt auf. Es ist nicht nur die Meereshöhe an sich, die mit ihrer direkten Ge­folgschaft meteorologischer Veränderungen hier be­stimmend wirkt, sondern auch das neue Relief mit seinem schroffen Wechsel von Berg und Tal spricht hier mit. Es schafft bei aller Steilheit der Sonnen­bahn einen Tageswechsel von Besonnung und Schatten, der in der Ebene fehlt, und wie dort im schmalen Streifen den Flußufern entlang, so ge­stalten sich hier in breiter Fläche an den Steilhängen die Bedingungen für eine Entfaltung auch niedri­gerer Gewächse günstiger. Denn sie können, wo der zu Tale absinkende oder gewaltsam rutschende Bo­den Bäume zu Fall bringt, einfach in das Licht­niveau selbst der höchsten, am Hang aber tiefer wurzelnden, trotz ihrer Nachbarschaft also als Licht­konkurrenten ausscheidenden Gewächse einrücken, während in der Ebene die Bäume in lang verhal­tenem Breiten Wachstum ihrer Kronen unter sich selbst die Lücken füllen. Wuchsschwachen, aber darum nicht minder lichthungrigen Arten ist also im starkbeweeten Gelände des Gebiroes der Da-

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seinskampf erleichtert. Das Fehlen stagnierenden Wassers auf steilen Böschungen schafft gleichfalls der Ebene gegenüber völlig neue terrestrische ] Le­bensbedingungen. Wie sie mit den in der Atmo­sphäre neugegebenen im einzelnen zusammentreten, das Florenbild im Gebirge zu verändern, das zu er­forschen wagte ich nicht zu unternehmen; aber bei der Lückenhaftigkeit unserer Kenntnis des Gebirgs- waldes von Neuguinea sind bescheidenere Beobach­tungen wohl auch willkommen:

a) Auf der Südseite des Bewani-Gebirges über­raschte uns in rund 900 m Meereshöhe die papuani- sche Varietät der Araucaria Cunninghami. Mit 40 m hohen, fast astlosen, borkigen, harzduftenden Stämmen ragten ihrer fünf im Walde auf; auch die frei am Hang wurzelnde (siehe Taf. LI. r.) trug nur eine kleine Krone mit kurzen, belaubten Zweigen auf den kahlen, strahlig wagerecht abgehenden Asten.

ß) Auf der Paßhöhe unseres Übergangs über das Bewani-Gebirgc, rund 1200 m über dem Meer, erreicht in der Schattenregion des W T aldes das Epi- phvtenleben den Höhepunkt der Entwicklung. Die 3 bis 4 m hohen Stelzwurzelpyramiden der Pan- danaeeen (siehe Taf. LI. 1.) sind von Farnen aus den Gattungen Asplenium (A. nidus, A. truncatum und A. Sancti Christophori), Polypodium (P. musi- folium, P. integrum und P. subrepandum), Davallia