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bevölkert. Dunkle diplopodc Tausendfüßler aus der Gattung- Spirostreptus durchwühlen die lockeren Schichten; tiefer dringen die Regenwürmer mit mehreren neuen Arten der Gattung Pheretima ein.
Weil so viel Leben sichtbar und laut hoch oben im Gezweig sich tummelt, erscheint im ersten Eindruck die stille Moderregion erstorben. Aber wenn die Freunde des Lichts schlafen gegangen sind, erwachen unten die Dunkelmänner: Frösche stöhnen mit kläglichen, 20- bis 3omal hintereinander ausgestoßenen heiseren Lauten aus ihren Erdlöchern. An ihren 5- bis 6mal gleichmäßig hintereinander ausgestoßenen Klagetönen, die in der Stille der Nacht auffallen, erkennt man bald auch am Tage den Frosch mit dem ballonartig aufgetriebenen Leib und dem kleinen spitz-dreieckigen Kopf, die hüpfende Xenorhina rostrata wieder, die handbreittief unter der Erde haust.
Von erdbewohnenden Grillen und Cikadenlarven zirpt es zuweilen nachts aus allen Ecken und Enden.
Der Lehm des Waldbodens ist häufig zu fußhohen nassen Schmutzhaufen getürmt; man sieht deutlich, daß die zähe Masse aus einem Spalt von 3 bis 5 cm Länge klumpenweise heraufbefördert worden, ist, im Grunde der Höhle ist zuweilen ein kleiner Spiegel Regenwassers sichtbar: das ist die. Wohnung der Sesarma-Krabben. In ebenso selbstgegrabenen, knietiefen Erdlöchern halten sich Krabben der Gattung Geotelphusa versteckt; in den umgebenden Erdwall von etwa zwanzig Pfund Gewicht nistet sich gelegentlich eine Grillenlarve, zuweilen gleichzeitig eine Ameisenkolonie von Acro- pyga moluccana ein.
Überraschender noch als diese Süßwassertiere wirken außer Sichtweite des Meeres Meereskrebse auf dem Urwaldboden: Den Hinterleib mit dem turmförmigen Gehäuse einer Süßwasserschnecke (Melania punctata) geschützt, wandert der Coenobita compressus vom Strande weit landeinwärts.
So nähern sich die Wassertiere dank dem hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft der Lebensweise luftatmender Gliederfüßler, die auch aus der Klasse der Spinnen einen stattlichen Vertreter in eine Höhle mit zweimarkstück-großer Öffnung und silberig tapeziertem Gang fußtief in die Erde quartieren.
Dem reichen Wasserdampf der Luft ist auch die größte Plage der niedrigeren Waldgebiete, die der Landblutegel zur Last zu legen. Die Häma- dipsa ceylonica lebt hier in solchen Mengen, daß es ein großes Rätsel ist, von welchen Tieren denn alle die Blutsauger leben. In menschenleerer Wildnis auf eben erst geschlagenem Pfad
waren sie zur Stelle; sie erfassen behend in tastender Bewegung des freien Vorderkörpers den nackten Fuß des Trägers, kriechen wie Spannerraupen die Waden hinauf, wo bald das Blut in hellen Streifen herunterrieselt. Der Europäer liest sich gelegentlich nach nassen Märschen /.wanzig und mehr Stück dieses ekelhaften Getiers aus den Wickelgamaschen. Kleine Verwandte leben auf den Bäumen; der Regen spülte sie uns oft ins Gesicht, wo sie sich, wenn die niederprasselnden Tropfen die Haut gegen Berührungsreize abgestumpft haben, unmerklich in die Augen oder durch die Lippen in Mund und Rachen schlängeln. Haben sie sich dort so tief festgebissen, daß der Finger nicht mehr herunterreicht, gibt ein Löffel starken Salzwassers die einzige Möglichkeit, sich von dem Eindringling zu befreien, das heißt ihn vollends herunter zu spülen, um ihn zu verdauen.
Von diesen Parasiten befreit zu sein, Sonne und Himmel wieder zu sehen, freie Luft um sich zu fühlen, — dieser Wunsch erfüllt sich dem Wanderer in den Niederungswäldern unseres nördlichen Forschungsbereichs nur an wenigen Punkten und Linien: in den
b) Lichtungen, die Sumpfgewässer oder Menschenhand geschaffen haben, und in den schmalen Streifen der Flußufer.
Die S u m p.ffelder erhalten durch die Sagopalme, der sich häufig Pandanus zugesellt, ihr charakteristisches Gepräge. Beide Gewächse, im geschlossenen Walde einsam verstreut, scheinen in dem Maße die Oberhand zu gewinnen, als ihre hochstämmigen Konkurrenten unter der Versumpfung leiden. Dichtestes Niedergrün umwuchert die jungen, vom Menschen noch nicht berührten Sagohaine. Morastige Bachufer mit lichterem Baumbestand sind die einzigen Stellen, wo üppig wuchernde Kräuter wie Balsaminen mit dem frischen Rot und Gelb ihrer Blüten Farbenfreudigkeit in das einförmige Laubgrün und Bodenbraun bringen.
Wenn der Mensch an Stellen, wo der Regen ablaufen oder einsickern kann, den Wald rodet, keimen Pflanzen, die sich im Walde selbst den Blicken entziehen, innerhalb weniger Wochen dicht, wie auf Beete gesät auf. So erschienen auf der Riffterrasse in der Nähe des Kap Gcrmaniahuk, auf der Blöße, die wir für unser Standlager geschlagen hatten, bald Mengen von Amarantaceen, deren violettrote Kleekopfblütcn (rume der Tumleo- Leute) oder gartenfuchsschwanz-ähnlichen, hier violetten, dort weißen langen Blütenähren (mole und kidotöa der Monumbo) die Eingeborenen gern zu