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verbalen Verhältnisse zu machen. Folgende Beobachtungen scheinen mir aber einstweilen mitteilens-
Viele Verba erinnern durch ihre Auslaute -a, da -an an Nominalbildungen, vgl. nat-a „bauen“ (Nandi not), yayoi-da „ankommen“, baloda „sprechen“, saraman „tanzen, spielen“ usw. Ohne Suffixe finden sich jedoch auch einige Beispiele vgl. lil „schlafen“ (Saho din). Man vergleiche dazu die sogenannten schwachen Verba des Somali, die wirkliche Nomina sind und mit den Personalpräfixen verbunden als Verba fungieren (Reinisch, Somalisprache III, S. 87).
Der Imperativ ist häufig mit dieser Stammform Gleichlaufend z. B. ben „komm!“ fwatj „lauf!“, kann aber durch mehrfache vorläufig undurchsichtige Präoder Suffigierungen von a oder ni oder auch Reduplikation erweitert werden z. B.
fwadja „geh!“ (von fwatj), agisigin „iß!“ (Bari ngetji), adan „gib!“
abededa „sitze!“ (vgl. Mbulunge ibithi), nime „stirb!“ (Nandi me), fekeni „steh!“
Unter den finiten Formen begegnet in vielen Beispielen das beim Adjektiv schon erwähnte Präfix go, das die 3. Pers. Sing, bildet und wohl auch in dem Absolutum kwiyen „er“ steckt. Beispiele:
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gölasa „er schlägt“ von lasa „schlagen“, goneres „er wurde zornig“,
* v /
gosela „er führte Krieg“.
Nach diesen Beispielen, die ich den als Ganzes leider immer noch nicht zu analysierenden Texten Baumanns (S. 366) entnehme, kann dieseTempusform als Aorist bezeichnet werden; sie dient der Erzählung in der Gegenwart und Vergangenheit. Als 1. Person mag hierzu nach Analogie des Nandi eine Form wie a-lava „ich folge“ (vgl. Bedauye lam, „folgen“) gehören; in der 2. Person hat das Nandi als Präfix i(e), unter den von Werth er gegebenen Formen dürften wohl i-loga „töten“ (Galla gora) und (h)i-stabu „hinaufsteigen“ hierherzuziehen sein.
Ein reines Präsens wird durch ein gleichfalls pronominal-präfigiertes Hilfswort i gebildet z. B.
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goi gogasa „er liebt“, goi godaha „er sieht“.
6. Partikeln usw.
Das Adverb folgt unmittelbar seinem Zeitwort z. B. abededa eidem „sitze hier!“ Die große Mehrzahl der als Adverbien gebräuchlichen Wörter sind
-—WJ
—vauiiLCLX CHISL”
weilen zu den Adjektiven gestellt werden, und andere wie eidem „hier“ sind Demonstrativa. Beispiele: omongeyet „oben“, nenit „unten“
kerakita „vorn“, aniki „nabe“ askwert „heute“, numada „bald“,
koodos „hinten“, asiogi „ferne“, olomodji „gestern“, sa %et „morgen'
Andere Formen sind zusammengesetzt z. B. galagase „immer“ d. h. wohl „alle Tage“ vgl. Somali weli-ga, Kafa bulli-gor; ferner ebubata minen „all
mählich, sachte“, vielleicht „ein kleines Stückchen“, idzulu „hoch“ ist natürlich Bantu.
Als wichtige Präposition ist noch a zu nennen, das dem Nandi ak, ok „und, mit“ entspricht. Die dumpfere Vokalisation finde ich im Tatoga nur beim Zahlwort s. oben, während a bei der Genitivbildung und wohl auch beim Adjektivum eine hervorragende Rolle spielt. Die Grundbedeutung scheint „mit“ (und zwar einschließlich des instrumentalen Sinns) z. B. mboit’ a tet „Ziegen und Ochsen“; gobeidj a
KJ •
belanket „er schlägt mit dem Stock“. Übertragen auch für die Ortsbewegung z. B. gedyak sit’ a koa „ich schicke einen Mann ins Dorf“.
Als Grußformel dient für den ganzen Tag und ! für beide Geschlechter: seiyu! Geantwortet wird in Manati seiyu gongolin! in Ufiome idik gongolin! (s.
| Kannenberg a. a. 0 „ Glauning in Mitt. Sem. or.
1 Spr. VI. 3, S. 136). Zu vergleichen ist die Grußformel
i von Iramba: seu, Antwort: seine; ferner Mbulunge- ; grüß sayum.
! Das Kriegsgeschrei der Manati lautet: u-u’a-a!
| emudjin! das der Tatoga in Klein-Ufiome: uhaiyeda!
Kapitel II.
! Die Sprache von Iraku.
! Die Irakusprache, deren Verbreitungsgebiet
! durchaus auf die gleichnamige Landschaft be- i schränkt und seit einigen Jahrzehnten in Mburu j noch durch das Tatoga (siehe oben) eingeengt ist, j bildet mit den Idiomen von Ufiome, Uassi, Mbulunge und Ungomvya (Useria) eine nur durch das Bantugebiet von Irangi unterbrochene Einheit, zumul auch die Auswanderung jenes drupps von Waassi, dei heute bei Handali im mittleren Ugogo sitzt, erst von etwa 1800 an datieren dürfte und die Niederlassung der Wangomvya in Ugogo (aus Usigua über Mbulunge eingewandert) nach den Ermittlungen | von Claus 1 ) erst vor zwei Generationen erfolgt ist.
B Ztschr. f. Ethnologie 1910, S. 489 li.