die im Verhältnis zu den Nachbargebieten bisher • ziemlich untätig gewesene kulturgeschichtlich vergleichende Ethnologie Nordostafrikas.
Kapitel I.
Die Tatogasprache.
Das Volk der Tatoga stellt nach der klaren, zuletzt von Velten gegebenen Definition 1 ) die ersten Einwanderer der nilotohamitischen Yölker- o-ruppe in die .Steppengebiete am Kilimandscharo dar Nach M erkers Erkundungen scheinen die ersten Versuche zur Seßhaftigkeit am Meru gemacht worden zu sein, von wo sie dann durch die Il-Oikop (WakwafiJ verdrängt worden wären; 2 ) die eigene Tradition läßt sie aus dem gleichen Grunde, denen das ganze Masaiaffentum entsprang, von verirrten Kindern der Kilimandscharo-Masai abstammen, die nach 7 7 urus (Enotiek) kamen und dort reich wurden. Ihres Viehs von den Masai beraubt, sollen sie dann hinter Ufiome in die Berge geflohen sein und nach ihrem eigenen ursprünglichen Masai-Schlachtruf den Namen Manati („Fremde, Wilde, Feinde“) erhalten haben. 3 ) Die Karte zeigt in der Tat durch die beispiellose Zerstückelung des Tatogasprachgebiets das Bild eines im Niedergang bereits weit fortgeschrittenen Volkes, das nur noch in und bei Manati geschlossene Siedelungen besitzt, sonst allenthalben unter anderen Eingeborenen wohnt und nach Baumanns Schätzungen nicht viel mehr als 5000 Köpfe zählen dürfte (a. a. O., S. 169).
Es scheinen sich nach den Ermittelungen S111 h 1 m a n n s, 4 ) W e r t her s, 5 * ) M erke r s°)
f. Erdk. Bin. 1908, S. 549 bis 557), so bemerke ich, daß der Begriff „Kuschiten“, Somali, Danakil und Bedja einschließt, daß die Nubier sprachlich und anthropologisch hamitisierte Sudanneger sind, und die Fulbe sprachlich nicht von den Osthamiten getrennt werden können. Die Nomenklatur ist ziemlich unglücklich gewählt, da weder die Berber rote, noch die Osthamiten schwarze Hautfarbe haben; man könnte sie als „gelb“ bzw. „braun“ unterscheiden, aber das Wesentliche in Desplagnes Theorie ist die ethnologische Gruppierung. Hier gibt er in der Tat manche gute Übereinstimmung mit den aus den Verhältnissen weiter im Süden (durch Ankermann u. a.) gewonnenen Ergebnissen, aber viel unrichtiges und unvollkommenes hätte durch deren Berücksichtigung vermieden und verbessert werden können.
4 ) Suaheli-Wörterbuch I, Berlin 1910, S. 510.
2 ) Die Masai S. 3.
3 ) Kannenberg, Beiträge zur afrikanischen Sagenkunde Nr - 4: Ztschr. f. afr. u. oz. Spr. V, S. 162.
4 ) Mit Emin Pascha, S. 754, 768 u. 846.
5 ) a. a. O., S. 491.
6 ) a. a. 0., S. 2 f.
und namentlich Bau man ns 1 ) noch drei historische Unterabteilungen unterscheiden zu lassen. Im Nordwesten' finden sich die Brariga, die nach ihrei alten Heimat Gamrit (Rotigenga, südöstlich | Tkoma) bei den benachbarten Bantu Wagamrita | bzw - bei den Masai Il-Gamrit heißen und in spärlichen Überresten auf Ukerewe, in Utimba und | sonst am Speke-Golf, unter den Waschaschi von ; Ikoma, in Miatu und anderen Teilen Ussukumas südlich bis Ussiha verstreut sind. Ebenfalls am ! Viktoriasee, aber in einigen wenigen Gruppen auch in Manati und nördlich davon sind die von den 1 Bantu Wanonega genannten Simityek zu erwähnen, während die dritte und, wie es scheint, noch lebenskräftige Abteilung der Bavuta im Zentrum und 1 südöstlichen Teile des gesamten Verbreitungs- I gebiets vorherrscht. . Teilweise sitzen nun diese j Leute in der alten Brarigaheimat Gamrit, wohin sie 1 nach dem Eindringen der Masai in Enotiek flohen, teilweise haben sie sich (Sagiros Leute) in dem Trakugaue Mburu niedergelassen (die sogen. Wa- mbulu); die große Mehrzahl aber, auf die allein wohl sich die eingangs erwähnten Traditionen beziehen dürften, 2 ) lebt in Manati, Massogoloda, Sabei ! Muitu usw. um den Ngurueberg, von wo wieder : einzelne Familien bis Itura und Ugogo versprengt
! worden sind. 3 ) Ebenso leben Tatoga vielfach in | Iraku und Ufiome in einflußreichen .Stellungen, in j Klein-Ufiome auch in geschlossenen Kleinsiede- j lungen. Hier im Osten sind auch bei den an- | sässigen Nachbarvölkern sowohl wie bei den Swa- | hili und anderen Küstenleuten und den Masai, i möglicherweise in unbewußter Anlehnung an den I Namen des Volkes von Turu (Bantu, Y anatubl )>
; aus dem echten Namen Tatoga jene Namcns- ! formen Wataturu bzw. Tl-ataturu entstanden, die I seit Cus t 4 ) fortwährend zu den bekannten unerwünschten Verwechselungen Anlaß gegeben haben ; erst v. Lu sch an hat die beiden Bezeichnungen
1) Durch Masailand zur Nilquelle S. 168 ft.
2 ) Obwohl Baumann auch für diese Gamrit als Urheimat und dann direkte Auswanderung nach Emus angibt.
3 ) Dort, oder schon früher scheint das Tatoga auch mit dem Ngomvya in nähere Beziehungen getreten zu sein, die. wie Kapitel 3 zeigt, wesentlich enger sind, als nach Meinhofs unvollständigen Vergleichen (er berücksichtigt aus dei Tatoga- literatur nur Werther) angenommen werden müßte (Ztschr. f. Ethnologie 1910, S. 496).
4 ) Modern Languages of Africa II, S. 37 2 f- Später untei- drückt Cust sogar die von Last ganz richtig geäußeite Vei- mutung, das Tatoga möchte zu jener provisorischen Nuba Fulah- Gruppe gehören (Polyglotta S. XI bzw. S. 1 u. 25), obwohl schon Stanley die Sprache der ihm am Simiyu begegneten „Wataturu“ als von den benachbarten Bantusprachen ganz verschieden angegeben hatte (Through the dark Continent I. S. 120).