Teil eines Werkes 
[Bd.] 2 (1885) Das Kongogebiet und seine Nachbarländer
Entstehung
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Die Loangoküste.

^nter dem deutschen Kolonialbesitz an der Westküste Afrikas ver missen wir leider einen Rüstenstrich, in dem sich deutsche Arbeitskraft durch gründliche Durchforschung des Landes ein dauerndes Denkmal gesetzt hat! die Lo^ngoküste.

Nördlich von der Kongomündung lag einst das Königreich Loango, dessen eigentlichen Kern das Land zwischen dem Tschiloango und dem Flüßchen Numbi bildete, dem aber eine Zeitlang sowohl die zwischen dem Kongo und Tschiloango gelegenen Staaten Kakongo und Ngoyo (Angoy), als auch das Land zwischen dem Numbi und der 1)umba-Bai Unterthan war. Schon frühzeitig, im ^6. Jahrhundert, gehörte dieser Rüstenstrich mit dem benachbarten Königreich Rongo zu den bestbekannten Gebieten der Westküste Afrikas, und zahlreiche ausführliche Schilderungen den Landes durch die Seefahrer und Reisenden, welche dasselbe besuchten, sind uns erhalten. Bevor der überseeische Sklavenhandel den Anstoß zu endlosen Kriegen zwischen den einzelnen Völkern gab und im Gefolge derselben jenes dichte Dunkel über das Land sich lagerte, welches erst in neuerer Zeit sich zu lichten begann, war man^in Luropa über die politischen, sozialen und religiösen Ein­richtungen bis in die geringsten Einzelheiten durch die Berichte der Reisenden unterrichtet.Sie schildern uns ein kompliziertes Staatssystem, barokke Religionsanschauungen, fortgeschrittene Kunstfertigkeit, als ob es sich nicht um die stupiden Negervölker Afrikas handle, sondern etwa um Indien, das beständig zur vergleichnng herangezogen wird, oder um halbverwischte Reminiscenzen aus altägyptischer Kultur, welcherlei Beziehungen hier vor alter Zeit bestanden haben mögen, inwieweit versprengte Ideeen aus jenen alten Kulturländern bis an die Westküste Afrikas gelangt sein könnten, bleibt ferneren Untersuchungen überlassen; immer steht es als ein interessantes Faktum fest, daß die ersten Entdecker die Negervölker an der Westküste in einem eigentnm

Rmttschiik-Ranke.