Die Südgrenze von Lüderitz-Land: der Vranjefluß.
Lüderitzland, Nama- und Damaraland.
Was steigende Bewußtsein von der Macht des Vaterlandes hatte in Deutschland endlich den Wunsch erregt, dieselbe auch in überseeischen Ländern zu bethätigen, und immer lauter wurde der Ruf nach Kolonien. Die Neichsregierung schien jedoch, seitdem der erste Rolonisationsversuch, die geplante Erwerbung von Samoa, an dem Widerstände des Reichstages gescheitert war, alle derartigen Pläne aufgegeben zu haben und den Rolonialbestrebungen interesselos gegenüberzustehen, als im Sommer ^383 die Welt die überraschende Runde durchflog, daß ein Deutscher an einer kaum dem Namen nach bekannten Rüste im Südwesten Afrikas ein bisher unabhängiges Gebiet käuflich erworben habe.
Die Nachricht fand in Deutschland und im Auslande sehr verschiedene Aufnahme. Während sie in Deutschland allgemein mit Ausnahme jener Kreise, denen alles Verständnis für nationales Streben abhanden gekommen ist, mit Jubel begrüßt wurde, blickte man im Auslande einesteils mit spöttischer Geringschätzung, andererseits voll Mißgunst auf die deutsche Erwerbung.
Der Jubel in Deutschland war leicht erklärlich. Die großen Hamburger und Bremer Handelsfirmen besaßen zwar in allen Erdteilen Faktoreien, aber dieselben befanden sich in Gebieten, welche bereits von anderen Nationen besetzt waren. Hier hatte zum erstenmal ein Deutscher ein Gebiet erworben, welches bisher unabhängig war und über dem noch nicht die Flagge eines europäischen Staates wehte. Eine solche That war zur Zeit der Ghnmacht Deutschlands unmöglich, uud der Jubel, mit dem sie begrüßt wurde, galt daher dein kühnen Bahnbrecher, welcher im vertrauen auf den mächtigen Schutz des Vaterlandes gewagt hatte, auch für den Deutschen in Anspruch zu nehmen, was andere Nationen bisher als ihr Privilegium betrachteten.
Im Auslande, namentlich in Englavd, hatte man schon über die Rolonialbewegung in Deutschland gespottet und sie als eine verspätete bezeichnet, „weil die Welt bereits vergeben sei". Als nun doch ein