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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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gestreift worden. Ein wirklich lebendiges Bewußt­sein der genetischen Zusammengehörigkeit mit be­stimmten Tieren und Pflanzen besteht im Bewußt­sein der gegenwärtigen Generation offenkundig nicht mehr; auch in den Bräuchen deutet nur noch wenig auf einen wirklichen Totemismus hin. Indessen scheinen mir die Namen sowohl nach ihrer Form, wie auch nach ihrer ureigentlichen Bedeutung für die frühere Existenz dieser sozialen Eigentümlichkeit pri­mitiver Völker ausschlaggebend zu sein. Wenn die heutigen Gewährsmänner diese Namen ganz zwang­los und behaglich in der Weise erklären, daß die eine Sippe sich von einer bestimmten Pflanze, die andere von einer bestimmten Tierart genährt habe, so will das nichts besagen; die ursprünglichen Zu­sammenhänge können und werden tiefer liegen. Dafür spricht ja auch ohne weiteres der Umstand, daß die

Leute sagen, die Lukosyo Soundso lebte dereinst in der und der pflanzlichen Umgebung oder von dem oder jenem Tier; sie geben damit deutlich zu ver­stehen, daß der Zusammenhang zwischen Natur­umgebung und Mensch überhaupt einer frühern Zeit angehört, daß aber im Gegensatz dazu die heutige Generation, die nach aller Ansicht unter anderen, d. h. weit besseren Verhältnissen lebt, auf jene alten Zu­sammenhänge gar kein Gewicht mehr legt. Ebenso beweiskräftig für die heute leider schon ganz ver­wischte Existenz des Totemismus sind auch die übrigen sozialen Einrichtungen, die stets mit ihm Hand in Hand gehen: das Mutterrecht und die Exogamie. Auch die Umbenennung des mannbar gewordenen Individuums ist hierher zu rechnen. Es wird nötig sein, den noch vorhandenen Spuren in der Zukunft mit Eifer zu folgen.

Zeitrechnung, Astronomie, Geschichte.

Die Bestimmung der Tageszeit erfolgt ganz all­gemein nach dem Sonnenstande; um eine bestimmte Stunde anzugeben, streckt der Jao (und ebenso die Angehörigen aller übrigen Völkerschaften) den Arm gerade aus und deutet auf die Stelle des Firma­ments, wo zu dem bezeichneten Zeitpunkt die Sonne stehen wird. Es ist erstaunlich, wie genau diese doch recht urwüchsige Bestimmung erfolgt, und noch er­staunlicher war es vielleicht, daß die Eingebornen, wenn ich sie in ebenderselben Weise für eine be­stimmte Zeit bestellt hatte, sich auch ohne große Fehlergrenze einstellten; es hat kaum Differenzen von mehr als viertelstündiger Dauer gegeben.

Das Jahr wird in Mondmonate (Mwesi) einge­teilt, doch war meinen Gewährsleuten eine bestimmte Zahl dieser Monate als Umfang eines Jahres nicht geläufig. Bekannt war ihnen, daß die Dauer der menschlichen Schwangerschaft etwa 10 Mondmonate betrüge. Ganz unbekannt war der Begriff der Woche.

An Jahreszeiten unterscheiden die Jao drei:

1. die Chau, die Trockenzeit, die von Ende Juli oder Anfang August bis Ende November oder An­fang Dezember dauert. Während dieser Monate werden neue Felder angelegt, indem man das Unter­holz niederschlägt, die großen Bäume ringelt und alles zusammen verbrennt, um die Asche als Dünger unterzuhacken. Das ist auch die Zeit der großen Feste.

2. Chuku, die Hauptregenzeit, die von Dezember bis Ende März oder Anfang April dauert. Das ist die

Zeit des Säens und Pflanzens, des Hackens und des Jätens.

3. Masika, der Ausklang der Regenzeit, wo Flüsse und Bäche hoch geschwollen, die Wege versumpft und schwer passierbar sind. In sie fällt die Ernte. Die Masika dauert von April bis Juli. Chuku und Masika zusammen gelten für ein Jahr; die Trockenzeit Chau ebenfalls für eins; zwei Jao-Jahre entsprechen also einem unsrigen.

Mit dem gering entwickelten Sinn für exakte Zeitbestimmung hängt auch die Armut des Kijao an Zeitadverbien aufs engste zusammen; es besitzt eigentlich nur Ausdrücke für die Zeitbegriffe von heute bis zum siebenten Tage der Zukunft ein­schließlich :

Ielo (heute), maravi (morgen), mtondo (über­morgen), mkutja (überübermorgen), msinga (der fünfte Tag), mbarama (der sechste Tag), mparapadja (der siebente Tag).

In dieser Beziehung ist es also dem Deutschen, das sich kümmerlich mit Ausdrücken überübermorgen usw. behelfen muß, weit überlegen. Aber um so schlimmer steht es um die Ausdrücke der Ver­gangenheit. Liso heißt gestern, Iijusi vorgestern; was jenseit dieser Zeitgrenze liegt, wird bezeichnet durch lijusi alyo, wobei das alyo, aber auch Iijusi selbst, mit umso höherem Ton und umso gedehnter aus­gesprochen wird, je weiter der gemeinte Tag zurück­liegt. Liegt der bezeichnete Termin sehr weit zu­rück, so fügt man unter Umständen noch kalakala hinzu.

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