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erst noch eine Zeitlang, gesteht dann aber die Tat ein und gibt die Medizin heraus. In früheren Zeiten verbrannte man die Schuldigen; heute begnügt man sich damit, lediglich die Zaubermedizin zu verbrennen. Höchst merkwürdig klingt die Aussage eines meiner alten Jao-Gewährsmänner, nach der verdächtigte Frauen die Medizin in der Vagina verstecken sollen. Dem Umfang nach ginge das wohl, denn fast immer bestehen die Zaubermittel aus Wur
zeln; da Männern wie Frauen zudem Taschen fehlen, so liegt auch aus diesem Grunde gegen die Angabe kein Bedenken vor. Nur daß die Aufbewahrung j n dem eigenartigen Versteck auf längere Zeit berechnet sei, ist schon aus gesundheitlichen Gründen ebenso ausgeschlossen wie eine allgemeine Verbreitung dieser Methode. Wahrscheinlich hatte der Alte einen besonderen Fall im Auee.
Kultus und Verwandtes.
Beobachtungen über diesen Gegenstand sind selbst bei sehr langem Aufenthalt unter Naturvölkern mit großen Schwierigkeiten verknüpft, um wieviel mehr für mich, der ich bei jeder Völkerschaft im günstigsten Fall nur mit einem Aufenthalt von Wochen oder Monaten rechnen konnte. Es ist unter diesen Umständen sehr wahrscheinlich, daß sowohl von Anfängen der Religion wie von bestimmten Formen ihrer Betätigung viel mehr vorhanden ist als ich selbst zu Gesicht bekommen oder durch Ausfragen erfahren habe. Was die Religionsforschung in diesem Teile Afrikas noch ganz besonders erschwert, ist das unaufhaltsame Eindringen des Islam, der überall, wo auch nur ein Küstenmann seinen Wohnsitz genommen hat, sehr rasch Anhänger gewinnt; zum andern trägt selbstverständlich auch die Tätigkeit der christlichen Missionen, die zum Teil* schon auf Jahrzehnte zurückblicken kann, viel dazu bei, die altüberkommenen Verhältnisse zu verwischen. Die wenigen Notizen, die ich hier zu bringen imstande bin, gebe ich aus diesen Gründen demnach mit allem Vorbehalt; es wird die Aufgabe vor allem der Mission sein, die Forschung nach dieser Seite hin objektiv und ohne die Brille irgend eines christlichen Dogmas fortzuführen.
Von einem eigentlichen Kult ist weder bei den Jao, noch bei den übrigen Völkerschaften im Grunde genommen überhaupt die Rede, höchstens, daß man ihnen eine gewisse Ahnenverehrung zusprechen kann, die mit einer Art Bau m k u l't u s und der Einrichtung des Lappen bäum es verknüpft ist. Zwar wurde mir als höchste Gottheit mehrfach Mlungu genannt, der zwischen den Wolken sitzt, streng, aber doch auch wieder gut ist, und der Erde und Mensch geschaffen hat; indessen ist es doch sehr zweifelhaft, ob hier nicht ausschließlich Küsteneinfluß die Aussagen diktiert hat, und ob dieses Götterbild nicht auch bloß auf wenige ,,Gebildete" beschränkt ist. Ganz allgemeiner Volksglaube hingegen
ist die Verpflanzung der Seelen besonders angesehener Verstorbener in bestimmte Bäume oder Baumarten. Vor allem sind es hervorragende Exemplare des M s o 1 o b a u m e s , einer Baumart mit rissiger, dunkler Rinde, die gern als Sitz der Ahnenseelen betrachtet werden. Zu diesen Bäumen geht der Neger in allen Fällen von Bedrängnis, vor jedem größern oder schwierigem Unternehmen, um gute Ernten zu erbitten, kurz, in allen Lebenslagen, wo er des Beistandes der Verstorbenen zu benötigen glaubt. Dabei wird der Platz unter dem betreffenden Baum erst gereinigt; darauf opfert man Bier und Mehl und bringt erst jetzt seine Bitte vor. Eine fernere, innerhalb der Menschheit auch sonst nicht seltene Opfergabe sind Zeugstreifen und -fetzen, die man an solchen Bäumen befestigt; leider sind mir die betreffenden photographischen Aufnahmen verloren gegangen.
Der Glaube an einen Fortbestand oder an ein Fortleben der Seele des Verstorbenen besteht also ganz unzweifelhaft, doch haben die Eingebornen über ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort keine bestimmten Vorstellungen; selbst der christliche schwarze Prediger Daudi von Tschingulungulu war immerhin noch Naturmensch genug, zwar diese Dauerexistenz der Seele zuzugeben, nicht aber sagen zu können, wohin sie wandert. Wenn der Eingeborne unter diesen Umständen seine Opfergaben am Fuße des Msolobaumes niedergelegt und eben dort seine Gebete verrichtet, so geschieht das aus dem Glauben heraus, daß die Seelen dorthin am leichtesten zu bannen und zum helfenden Eingreifen zu bewegen sind. Der ganze Glaube ist demnach sehr wohl zu bezeichnen als eine Art höherer Animismus mit besonderer Betonung des Ahnenkultes. Die von Daudi wiedergegebene Ansicht, die Seelen der Verstorbenen sähen die Hinterbliebenen zu jeder Zeit und an allen Orten, führe ich ohne weiteres auf sein Christentum zurück. Urecht afrikanisch ist hingegen wieder der allgemeine Volksglaube, daß die Seele die Fähigkeit be-