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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Gambia selbst bietet von: November bis Juni eine gute Wasserstraße; kleine Fahrzeuge gehen dann noch über die Stromschnellen von Barraknnda hinaus, solche von 150 Tons gelangen bis hierher, Dampfer bis Jarbutenda, Seeschiffe bis Fort George, 280 Km von der Mündung entfernt, lvo sich Ebbe uud Flut uoch bemerkbar machen.

Von dem Bau eiuer Eiseubahu in der Kolonie ist noch nicht die Rede gewesen; Bathnrst ist durch Kabel au das westafrikauische Netz augeschlosseu, ein Land-Telegraph uach dem Julaud fehlt aber ebeuso, wie regelmäßige Po st Verbindung nach dem Innern, auch existiert in der Kolonie noch keine Fernsp rech-Anlage.

Moderne Verkehrsverhältnisse sind hier also noch sehr wenig entwickelt.

Was den Handel Gambias anbelangt, so hat derselbe ziemlich große Schwankungen aufzuweisen gehabt, was seinen Grund besonders darin hat, daß das Hauptausfuhrprodukt, die Erduuß, iu ihrem Ertrag je nach dem Regen­fall sehr wechselt.

Der Gesamthandel der Kolonie wies folgende Zahlen auf für die Jahre 1836: 262000, 1840: 229000, 1850: 228000, 1855: 342000, 1860: 182000 L uud hat sich seitdem wie folgt entwickelt in Tausenden von Pfunden, Kontanten ausgeschlossen:

1876 1880 1884 1890 1895 1896 1897 1898 1899 1900 Einfuhr 89 191 212 148 97 91 139 187 171 194 Ausfuhr 86 138 199 164 93 116 163 245 234 240 Die Hauptposteu der Einfuhr bildeu Baumwollstoffe, Reis uud Kolanüsse, iu der Ausfuhr steht weit obeuan die fast gauz nach Frankreich gehende Erd­nuß im Jahre 1900: 35800 Tous im Werte von 221000 L worauf Kaut­schuk mit 10000 L und sodann Palmkerne, Wachs und Häute mit sehr kleiucu Beträgen folgen. Das Jahr 1900 hat, dank seiner großen Erdnnß-Ernte, alle seine Vorgänger überholt, für 1901 erwartete man statt 35000 aber nur 25000 Tous Ertrag uud dies Beispiel zeigt deutlich, welch großen Schwcmkungeu der hiesige Haudel ausgesetzt ist.

In Bathurst besteht eine Filiale der Lanlc ok Lritisn ^sstakrios.

Die Verfügung über öffentliche Ländereien, für die ein rechtmäßiger Eigentümer nicht zn ermitteln, ist in die Hände der Kolonialregiernng gelegt, welche dadurch englische Kapitalisten zn landwirtschaftlichen Unternehmungen ermutige« uud eiu Gegengewicht gegen die Faktoreien der Franzosen bilden möchte, welche sich schon früher hier niederließen. Bislang hat die Regierung damit allerdings wenig Glück gehabt nnd sie bietet Land in Britisch Combo vergebens zu 2 Schilliug Pacht für deu Aere aus. Auch eiue 1894 gegründete Botanische Station hat bislang keinerlei Nntzen gestiftet, dagegen gedeihen die seit einigen Jahren an der Küste angelegten Kokospflanznngen gnt.

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