Im 16. Jahrhundert waren Spanien und Portugal die Herren der Welt. Im Vertrag von Salamanca (22. April 1529) teilten sie mit einem Federstrich die außereuropäische Erde in eine spanische und eine portugiesische Hälfte ein und waren eifersüchtig darauf bedacht, daß keine andren Nationen Stützpunkte an fernen Küsten suchten und fanden. Den Holländern gelang dies trotzdem, zunächst in Ostindien, auch Frankreich schickte sich an, sich in Nordamerika heimisch niederzulassen. England hingegen hatte noch in den letzten Jahren der Königin Elisabeth (1558—1603) keinen überseeischen Besitz, und seine Geltung zur See war so gering, daß im Jahre 1588 das Inselreich beim Nahen der „unüberwindlichen Flotte" des Spanierkönigs Philipp in die äußerste Gefahr geriet, aus der es nur durch die schweren Auguststürme jenes Jahres befreit wurde. Die englische Handelsflotte war noch sehr klein; im Jahre 1532 belief sie sich erst auf 135 Fahrzeuge, von denen nur wenige über 500 t fassten. Als daher um die Mitte des 16. Jahrhunderts in England ein Streben begann, mit fernen Ländern Handelsbeziehungen anzuknüpfen, suchte man bezeichnenderweise zunächst nach Möglichkeit Landverbindungen auf. 1554 wurde die Russische Handelskompagnie gegründet, die über Archangelsk mit Moskau Beziehungen begann und diese nicht viel später über die Wolga und das Kaspische Meer bis Persien und Indien ausdehnte, 1581 folgte die Türkisch-Levantinische Handelskompagnie, die den Handel mit der Türkei und (über Aleppo und den Persischen Meerbusen) ebenfalls mit Indien pflegte. Beide Wege nach Indien waren ebenso weit wie unsicher, und ums Ende des Jahrhunderts erkannte man, daß nur auf dem Seewege ein dauernder und lohnender Handel aufrecht erhalten werden könne. Am 22. September 1599 erfolgte in London die Gründung der „Ostindischen Kompagnie", die gewissermaßen als Anfang des britischen Kolonial-Weltreichs betrachtet werden kann. Am 31. Dezember 1600 wurde der Gesellschaft ein königlicher Freibrief verliehen, der ihr weitgehende, kaufmännische und politische Rechte in Ostindien schenkte, zunächst für 15 Jahre, bald aber (31. Mai 1609) für immer. Anfangs unternahm die Gesellschaft lediglich gewinnbringende Handelsfahrten. Als sie jedoch i. J.
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Unser Vetter Tartuffe oder Wie England seine Kolonien "erwarb" / Richard Hennig
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