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Die Eisenbahnen Deutsch-Südwestafrikas und ihre Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie / von Erich Quiring
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Auf Anordnung des Gouverneurs müssen Notstandstarife eingeführt werden, und ersetzt der Fiskus dann den Einnahme­ausfall.

Die Otavi-Gesellschaft zahlt eine Übergangsabgabe, solange der Fiskus auf der Strecke SwakopmundJakalswaterKaribib keinen öffentlichen Durchgangsverkehr unterhält. Diese Abgabe soll für eiserne Gleis-, Weichen- und Brückenmaterialien ein Fünftel, im übrigen ein Drittel der Frachteinnahmen betragen und ist zunächst auf 300 000 Mk. pro Jahr veranschlagt. 1 )

Kein Tarif darf unter den durchschnittlichen Selbstkosten und Erneuerungsrücklagen angesetzt werden, so daß die Gesell­schaft nicht einseitig ihre Güter bevorzugen kann, wenn sie die in der Damaralandkonzession vorgesehenen Tarifermäßigungen vornehmen muß. (Übersteigt der verteilbare Reinertrag 2 Jahre nacheinander 10°/ 0 für das in den Eisenbahnen angelegte Kapital, so muß auf Verlangen der Regierung eine Tarifänderung ein­treten, und zwar in solchem Maße, bis der Reinertrag wieder auf 10% gegangen ist.)

Die Entwicklung der Bahn darf auch weiterhin zuversicht­lich beurteilt werden. Schon jetzt, nach den ersten 3 Betriebs­jahren, macht sicli ihr Einfluß auf das Wirschaftsieben der Gegend, die sie passiert, sichtbar geltend. Das nördliche Herero­land gilt als sehr geeignet zu Vieh- und teilweise zu Acker­wirtschaft. In Karibib soll an die Ausbeutung der Marmorlager gegangen werden, und die Afrika-Kolonial-Marmor-Gesellschaft hofft bald einen Jahresabsatz von 18 000 cbm = ca. 50 000 t zu haben. Diese Industrie bringt der Bahn natürlich auch durch die Einfuhr zahlreicher Bedarfsartikel Nutzen. Vor allem aber liefern die Bergwerke der Otavi-Gesellschaft selbst noch auf lange Jahre hinaus genügend Frachten für die Bahn, um sie in jeder Weise rentabel zu erhalten." 2 )

Auf der Staatsbahn soll die untere Strecke eingehen, da

') Aroh. f. Eisenbahnvv. 1910 S. 654. Geh. Oberbaurat Baltzer vom Reichskolonialamt erwähnt in seinem Vortrag vom 8. Oktober 1910 (S.7S4): Seit dem 1. April 1910 hat die Bahn allein infolge der Zuleitung des Ver­kehrs der Staatsbahn eine Mehreinnahme von 314000 Mk. erzielt".

2 ) vgl. S. 52.