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Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
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Nord-Nigeria bezahlt werde, vollständig nutzlos, ja unsinnig. 3. Die Erschließung Nord-Nigerias als ein Feld für ausgedehnte Baumwoll­kulturen. Es wird besonders betont, daß der Bau der neuen Bahn in keiner Weise den Bau der Lagos-Bahn verzögern dürfe und werde. Beide Bahnen sollen schließlich in Jungem zusammentreffen. Die Lagos-Bahn wird den Niger bei Jebba überschreiten.

Die Konkurrenz der französischen und englischen Bahnen und der Kamerun, durch die Gebiete jener Länder führenden Wasserstraßen muß nun aber auch in den deutschen Kolonien Westafrikas von entscheidendem Einfluß auf die Beschleunigung der Eisenbahnpläne sein. Sowohl im Hinterland von Kamerun, wie in dem von Togo droht uns eine Verkehrsentziehungskur, ähnlich der in Deutsch-Ostafrika durch­gemachten, wenn wir uns nicht zu großzügigen Bahnbauten von der Küste aus aufwärts weit ins Innere des Landes hinein entschließen.

Das ganze Zentrum von Kamerun ist für den Handel bisher überhaupt noch nicht erschlossen. Der Osten gravitiert nach Nord- Nigeria und gehört in das Handelsgebiet der englischen und franzö­sischen Handelsgesellschaften. Der Süden ist jetzt in der Haupt­sache Hinterland von Kribi geworden. Die Eisenbahnen sollen ganz Kamerun dem deutschen Handel tributpflichtig machen. Bisher war im zentralen Teil auch das System des Zwischenhandels von der Küste ins Innere einem Vordringen des Handels durch den Urwald zum Graslande des Inneren hinderlich, ein Zwischenhandel, den die Eingeborenenstämme des Waldlandes als ein Privilegium fest­hielten. Der zentrale Teil von Kamerun kann also als ein noch unerschlossenes, durch die Eisenbahn erst zu erschließendes Gebiet betrachtet werden. Insbesondere hätte die Bahn, wie seinerzeit schon Hans Meyer ausgeführt, den Vorteil für uns, daß wir uns damit den Tsadseeländern, deren politischer Eroberung bald ein handels­politischer Wettbewerb folgen wird, auf dem kürzesten Weg am meisten unter allen Konkurrenten nähern würden, ohne daß wir mit der Bahn selbst so weit vorzudringen brauchten. Jetzt ist der Handel des zentralen Sudan fast ganz in den Händen der Tripolitaner. Nach und aus dem englischen Tsadbezirk Borau werden die Engländer den Verkehr allmählich wohl zum größten Teil auf die englische Benue-Nigerroute abzudrängen suchen, aber das viel ausgedehntere französische Tsadgebiet würde sicherlich den kürzeren und schnelleren Weg über eine deutsche Adamauabahn vorziehen, um so mehr, als auch die Zugänge durch französisches Territorium von Norden (Tunis) oder von Westen (Dahomey-Niger) oder von Süden (Sangha- Schari) her unverhältnismäßig beschwerlicher, länger und kostspieliger

Dix, Afrikanische Verkehrspolitik. r>