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müßten billige, durchgehende Tarifraten von den Nyassahäfen zur Küste eingerichtet werden, kurz, es muß eine großzügige Tarifpolitik getrieben werden, dann werden wir von einer Konkurrenz der Schire- Sambesiroute nichts zu fürchten haben, und in dem Moment, wo die erste Lokomotive in Wiedhafen erscheint, hat die Sterbestunde jener geschlagen!
Deutschlands Anteil an den schiffbaren Strömen.
Ostafrika. Deutschlands unmittelbarer Anteil an den schiffbaren Strömen Afrikas ist erheblich geringer als der kongolesische, englisch-ägyptische und französische, aber doch nicht bedeutungslos. In Deutsch- Ostafrika ist zunächst der südliche Grenzfluß Rowuma in seinem Unterlauf zwar zum Teil schiffbar, aber zu stark mit Sandbänken durchsetzt, um für den größeren Verkehr in Betracht kommen zu können.
Hohe Bedeutung für die ostafrikanische Binnenschiffahrt könnte der Rufiji erlangen, der mit seinen Nebenflüssen große Teile im Zentrum der Kolonie beherrscht. Er besitzt drei befahrbare Teilstrecken, die durch zwei Fälle, die nicht allzu schwer zu umgehen wären, getrennt sind: Mündung—Kungulio bezw. Panganifälle (ca. 190 km), Pangani—Schugulifälle (90 km); oberhalb dieser Fälle würde der Fluß auf weite Strecken im Ulangatal mit geringer Nachhilfe bis in die Höhe der Mahengestation für den Verkehr nutzbar gemacht werden können. Der erste Versuch einer regelmäßigen Dampferverbindung auf dem Rufiji scheiterte daran, daß der betreffende Dampfer einen zu großen Tiefgang hatte und namentlich für die Krümmungen des Flusses zu lang gebaut war. Bei entsprechender Berücksichtigung dieser Umstände wird sich aber in Zukunft nach Ansicht des Kolonialwirtschaftlichen Komitees jedenfalls eine regelmäßige Dampferverbindung einrichten lassen. Bis zur Stunde lassen wir den schiffbaren Rufiji ungenutzt liegen; hierher gehörte unbedingt ein Kraftboot, das eine schnelle, billige Verbindung mit der Küste herstellen würde. Die Aussichten eines solchen Bootes sind die denkbar günstigsten. Nicht nur, daß das in seinem Interessengebiet liegende Land äußerst fruchtbar ist und somit genügende Frachten für das Boot garantiert, auch der Handel ist zu beiden Seiten des Flusses schon sehr entwickelt. Auch nach Kissaki, Mahenge und Iringa würden voraussichtlich alle Lasten den billigen Wasserweg der Eisenbahn vorziehen, zumal der Rufiji für alle drei Plätze leichter erreichbar