X V. Kapitel.
Zu dem Kalaharisand gehören die früher beschriebenen roten und grauen Sande. Die Mächtigkeit dieser Sanddecke ist stellenweise so gering, daß der Kalksandstein unter ihr häufig in den Auswurfprodukten der Erdferkellöcher nachweisbar ist. In anderen Regionen aber schwillt ihre Mächtigkeit sehr bedeutend an, so daß sie 20—30 m, stellenweise vielleicht sogar 40—5om erreichen mag. Am mächtigsten dürfte der Sand an den Seiten der großen Flußbetten aufgehäuft sein. Die rote Farbe des Sandes beschränkt sich auf die Oberfläche. Nach der Tiefe hin verwandelt er sich bald in weißen Sand, der eine große Ähnlichkeit mit dem Sand der heutigen Flüsse besitzt. — Auf die geologische Geschichte dieser jungen Deckschichten kommen wir noch später zurück.
2. Das Okawangobecken bildet eine 950—1000 m hohe Ebene, welche in das Sandfeld der mittleren Kalahari eingesenkt ist. Auf weite Strecken hin fällt letzteres mit einem 10—20 m hohen, scharf ausgeprägten Rande gegen die Ebene ab, so besonders südöstlich des Kaukaufeldes und nördlich des Ngamirumpfes. Das Becken ist von Südwesten nach Nordosten lang gestreckt, beginnt an der Mündung der Rooibocklaagte und geht über den Kwando hinweg bis zur Nordseite des Sambesi oberhalb der Viktoriafälle. Ein großer Teil dieses Beckens wird von dem Sumpflande des Okawango sowie dem schon früher beschriebenen Sumpflande des Kwando eingenommen. Unterhalb der Popafälle erweitert sich, wie bereits erwähnt, der Okawango zu einem breiten, trichterförmig nach Südosten auslaufendem Tal. Er teilt sich in viele Arme, Schilfsümpfe treten zwischen diesen auf und schließlich geht er in ein großes breites Sumpfland über, das aus Schilf- und Papyrussümpfen besteht. Tief eingeschnittene, schnell fließende Flüsse bilden in den Sümpfen ein Netzwerk und bewaldete Sandinseln ragen über die lichtgrünen Schilfflächen auf. Die Hauptarme, in die sich der Okawango teilt, sind folgende:
Das westliche Sumpfland wird eingenommen von dem Tauchesystem, das ursprünglich in dem Ngamisee endete. Noch zu Andersson's Zeiten konnte man mit Kähnen von dem See aus den Fluß aufwärts fahren. Andersson hat diese Reise tatsächlich ausgeführt. Im Laufe der achtziger Jahre trockneten aber die Zuflüsse aus und Anfang der neunziger Jahre verschwand infolgedessen der Ngamisee vollständig und wird nur noch zuweilen bei