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XI. Kapitel.
i. Die Steppengebiete der Großen Karru und der Oranje-
hochebene.
Hat man die Kette der Zwarteberge überschritten, so befindet man sich in einem völlig anderen Lande. Endlose Hochflächen dehnen sich aus, mit niedrigen kaum kniehohen Büschen bedeckt. Kein Baum, kein Strauch ist meilenweit zu sehen, höchstens in den trocknen Flußbetten findet man kümmerliche Exemplare der Acacia horrida. Eine unsagbar melancholische Stimmung liegt über dieser öden verlassenen Landschaft. Allein sie ist doch nicht ohne Schönheit. Zur Zeit des Sonnenauf- und -Unterganges ist die Farbenpracht unbeschreiblich und in der klaren dünnen Luft sieht man aus einer Entfernung von hundert Kilometern und mehr die fernen Bergketten aufragen und kann die Schluchten und feineren Details auf ihnen erkennen. Der Neuling täuscht sich in den Entfernungen auf diesen Hochflächen ganz gewaltig. Er unterschätzt die Abstände und Jäger müssen sich hier erst ganz allmählich an das Abschätzen der Entfernungen gewöhnen. Zu anderen Zeiten freilich ist von der Klarheit der Luft nicht viel zu spüren. Gewaltige Staubwolken jagen über den Boden hin, verhüllen selbst naheliegende Gegenstände und verleiden dem müden Reisenden den Aufenthalt in diesen schon an sich so trostlosen Steppen. Die Erde ist ein schwerer roter, meist steiniger Tonboden, unter dem häufig, namentlich an Flußbetten und am Fuß der Diabasberge, eine dichte weiße Kalktuffunterlage zutage tritt, die wohl in feuchterem Klima während der Diluvialzeit entstanden ist. Auf weite Strecken hin aber besteht der Boden oberflächlich aus einer roten feinen Staubschicht, die sich zwischen den niedrigen Büschen festgesetzt hat und durch den Wind abgelagert worden ist.
Diese öden, einförmigen, melancholischen Steppengebiete haben einen so eigenartigen Charakter, daß man glauben möchte, es könnte auf der ganzen Erde kein Gebiet geben, das sich mit ihm vergleichen ließe, und doch besitzt Afrika außer dieser Karru des Südens noch eine zweite im Norden, nämlich in den Hochsteppen Algeriens. Nach der Bodenbildung, nach dem Habitus der Vegetation und nach dem Klima besitzen diese eine große Ähnlichkeit mit der südafrikanischen Karru.
Der Eigenart des Charakters ist es wohl zuzuschreiben, daß diese Steppen auf den Bewohner einen unbezwinglichen Reiz ausüben, und wer einmal den Zauber dieser einsamen melancholischen, oft so häßlichen und dann wiederum so herrlichen weiten Steppen