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Südafrika : eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde ; mit 47 Abb. auf Taf., 34 Karten u. zahlr. Profilen / von Siegfried Passarge
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Die VegetationsVerhältnisse Südafrikas.

sonstigen altertümlichen Familien wären zu nennen die Restiaceen, Rutaceen, Bruniaceen, Peneaceen u. a.

c) Die Namibflora.

In der Namibwüste finden sich noch einzelne Arten einer an­scheinend uralten Flora, von der sich nur noch wenige in die Jetztzeit hinübergerettet haben und die in dem nebelreichen, aber höchst regenarmen Wüstenstrich ihr Dasein fristen, um voraussicht­lich im Laufe der Zeit auch hier zugrunde zu gehen. Das Merk­würdigste dieser Gewächse ist die Welwitschia mirabilis, eine höchst abenteuerlich aussehende Pflanze, die aus einem bis i m breitem, holzigen Stammstück nebst 1,40 m breiten und 11,50 m langen Blättern besteht. Gewöhnlich haftet sie mit einer Pfahl­wurzel im Boden fest, zuweilen wird sie aber losgerissen und vom Winde dahingerollt. Dieses ganz isoliert dastehende Gewächs zeigt gewisse Beziehungen zu den Koniferen und zwar von der Gruppe der Gnetaceen. Aus dem Stamm kommen die männlichen resp. weiblichen Blüten heraus.

Eine andere höchst eigentümliche Pflanze, die zu den Cucurbi­taceen gehört, ist dieNaras der Hottentotten, Acanthosicyos-horrida. Ihre mit langen Stacheln besetzten Früchte spielen im Haushalt der spärlichen Namibbewohner eine große Rolle, da sie ihnen das Wasser und Nahrung gleichzeitig bietet. In botanischer Beziehung steht diese Frucht recht isoliert da. In der Übergangsregion von der Namib nach der Steppe hin auf steinigem Boden wachsend, zum Teil polsterartig die Felsen bedeckend, finden wir eine An­zahl von altertümlichen Pflanzen, die zum Teil die Dickhäuter in der Pflanzenwelt mit Recht genannt worden sind. Zu erwähnen sind hier besonders Pachypodium, Sesamothamnus, Myrothamnus und Echinothamnus, z. B. Echinothamnus Pechueli. In der Namib­flora hat sich anscheinend ein Rest einer uralten, vermutlich ter­tiären, vielleicht aber noch älteren Flora erhalten und interessanter­weise finden wir Reste einer dem Habitus nach ähnlichen und eben­falls außerordentlich isoliert stehenden Flora auf der Insel Sokotra. Auch dort existieren dieDickhäuter des Pflanzenreichs"; und be­sonders wichtig ist der Umstand, daß man hier das vermutliche Alter dieser Flora etwas näher bestimmen kann. Denn seit dem Ende der Kreidezeit ist diese Insel vom afrikanischen Kontinent losgetrennt worden. Eozäne marine Ablagerungen umgeben näm­lich dieses Felseneiland; also dürfte die Flora bereits aus der Kreidezeit stammen und vielleicht haben wir hier Reste