Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1913) 1415 - 1870
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1. Die Kapkolonie 17951806.

Seitdem aus den Faktoreien der Englisch-Ostindischen Com­pany ein großes Reich geworden rvar, dessen Behauptung als ein Lebensinteresse Großbritanniens galt, rvar die Erwerbung des Kaplandes ein Ziel der englischen Politik geworden. Schoa wäh­rend des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, in dem Holland die Partei der Gegner Englands genommen hatte, war die Erobe­rung des Kaplandes von Lord North geplant, aber noch rechtzeitig durch das Eintreffen einer französischen Flotte verhindert worden. Als der Krieg zwischen England und Frankreich wieder ausbrach, und Holland 1795 ein Vasallenstaat der französischen Republik wurde, verband sich mit dem Wunsche, das Kap für England zu gewinnen, die Befürchtung, daß es in die Gewalt der Franzosen fallen, und von ihnen als Basis gegen den ostindischen Besitz Eng­lands benutzt werden könnte. So entschloß man sich denn dazu, die Kolonie den Holländern zu entreißen. Im Juni 1795 erschien ein englisches Geschwader mit 1600 Mann Landungstruppen an Bord am Kap; der britische Admiral schickte einen Offizier zu dem hollän­dischen Befehlshaber Sluysken und forderte ihn im Namen des nach England geflohenen Statthalters der Niederlande, des Prin­zen von Oranien, dazu auf, die Kolonie den Engländernin Ver­wahrung zu geben", um sie vor den Franzosen zu schützen. Obwohl die Behörden des Kaplandes mit dem Oranier sympathisierten, weigerten sie sich doch diesem Befehl nachzukommen. Nach länge­ren vergeblichenVerhandlungen landeten die Engländer bei Simons- town, schlugen die holländischen Truppen am 7. August bei Muizen- burg, und marschierten, nachdem sie Verstärkung erhalten hatten, gegen Kapstadt. Am 15. September 1795 wurde die Kapitulation abgeschlossen, durch die Stadt und Kolonie den Engländern aus­geliefert wurden. Man hat die holländischen Befehlshaber, die tatsächlich der oranischen Partei angehörten, des Verrates be­schuldigt; es ist sicher, daß diese Anklage nicht begründet ist, doch haben die tiefgehenden Differenzen zwischen Behörden und Kolo­nisten, sowie das wechselseitige Mißtrauen, das zwischen ihnen bestand, die Widerstandskraft der Holländer geschwächt, und damit den Feinden den Sieg erleichtert.

Die Engländer waren am Kap als angebliche Freunde er­schienen, die die Kolonie nach dem Friedensschlüsse wieder zu­rückgeben wollten. Dementsprechend wurde das holländische Ver-