Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1913) 1415 - 1870
Entstehung
Seite
220
Einzelbild herunterladen
 

220

Fortgang der Aufteilung und Kolonisation Afrikas

«) Die englischen Kolonien von 18501871. Die Er­werbung der niederländischen Besitzungen. Für die Engländer bedeutete die Erwerbung der dänischen Besitzungen eine erhebliche Erweiterung ihres Territoriums. Die Kolonie, die bisher dem Gouverneur der Sierra Leone unter­stellt worden war, war am 24. Januar 1850 selbständig gemacht und direkt dem Londoner Kolonialamt untergeben worden. Die Organisation der Verwaltung war die in den Kronkolonien übliche, für die Verteidigung wurde eine Truppe von 300 Mann Einge­borener organisiert. Eine große Schwierigkeit bildete an der Gold­küste die Beschaffung genügender Einnahmen. In den meisten Ko­lonien bilden Zölle naturgemäß die wichtigste Einnahmequelle. Da aber an der Goldküste die englischen und holländischen Besit­zungen durcheinander lagen, so konnte England keine wesentlich höheren Zölle erheben als die Niederlande, ohne befürchten zu müssen, daß der gesamte Handel sich nach den niederländischen Plätzen zog. Man versuchte wiederholt, ein Einvernehmen mit der niederländischen Regierung herbeizuführen, aber immer ohne Erfolg. So mußte man sich mit der Erhebung sehr niedriger Zölle, 2^, vom Werte der Waren, begnügen. Dagegen versuchte die britische Regierung auf Anregung des Kolonialsekretärs Lord Erey eine direkte Besteuerung der Eingeborenen durchzusetzen^). Die Kolonialverwaltung berief zu diesem Zwecke eine Häupt­lingsversammlung ein und ließ von dieser eine Kopfsteuer von

I so., pro Kopf bewilligen. Im ersten Jahre (1852) liefen auch wirklich 7567 L ein, aber die Machtmittel der britischen Behörden im Schutzgebiet reichten noch nicht dazu aus, um die Steuer allgemein durchzuführen, ja nicht einmal, um sie überhaupt auf­recht zu erhalten. 1861 war der Ertrag der Steuer auf 1552 L herabgegangen, und seitdem ließ man sie gänzlich fallen^). So gestalteten sich denn die Finanzen der Kolonie in recht ungünstiger Weise: ihre eignen Einnahmen beliefen sich 1865 auf nur 7500 L, und deckten damit noch längst nicht die Zivilausgaben, die sich auf

II 500 beliefen, während der Gesamtaufwand des Mutterlandes auf nicht weniger als 58 000 L berechnet wurdet. Auch wirtschaft-

^) Ua,rl (?re^, Ins ooloriial polio^ ot I^ord R-usgollg iKlnrinistratioii, 2, 282 ff.

2) Report- 1865, S. 373. Kvxort, 1865, S. 382.