Druckschrift 
Ostafrika, der Sudan und das Seeengebiet : Land und Leute ; Naturschilderungen, charakteristische Reisebilder und Scenen aus dem Volksleben, Aufgaben und Kulturerfolge der christlichen Mission, Sklavenhandel ; die Antisklavereibewegung, ihre Ziele und ihr Ausgang ; kolonialpolitische Fragen der Gegenwart ; nach den neuesten und besten Quellen / von Johannes Baumgarten
Entstehung
Seite
545
Einzelbild herunterladen
 

545

Ganz objektiv betrachtet, besteht also der Feldzugsplan des fran­zösisch-katholischen Kreuzzugsheeres darin, nach Erhebung einer An­leihe von 100 Millionen Francs mit 1200 Mann europäischer Truppen und 5000 Mann Reserven, größtenteils geführt von fran­zösischen Edelleuten oder solchen, die es werden wollen, unter dem päpstlichen Banner die Zollsperre einzurichten und durchzuführen auf einer Linie, die von der Mündung des Zambesi bis zum Albert-See eine Länge von ca. 2500 Km (gleich der Entfernung von Cadix bis Stettin), bis Chartum von 4000 Km (gleich der Luftlinie von New-York bis San Franzisko) hat.

Durch Nachschübe wird diese Zollsperre oder vielmehr dieser Pest­kordon so verdichtet und verstärkt, daß die Araber (die schwarzen Eingeborenen zählen selbstverständlich zu den Freunden der Unter­nehmung) schließlich ihren ohnmächtigen Widerstand (die Niederlagen der Engländer können in dem heiligen Kriege nicht in Anschlag kommen) aufgeben, der weite Länd-rstreifen definitiv pazifiziert und unterworfen ist, das Kreuzzugsheer sein Banner zusammenfaltet, um nach glorreich vollbrachter Aufgabe abzuziehen und das von ihm be­setzte Gebiet einer Kolonialmacht, die doch, obschon der Herr Marquis es nicht ausdrücklich sagt, wohl nur Frankreich, nicht I» xsrüäs ^.Ibion oder l'^IIsumssiiö äs Lisw^roK sein kann, zu übergeben; alles dieses natürlich erst nach dem glücklichen Ausgange des franko­russischen Revanchekrieges. — Das ist also des Pudels Kern!

Die oft afrikanische Eisenbahn. — Der verdienstlichste Teil der Schrift des Marquis ist der, worin er von der Notwen­digkeit und von der leichten Ausführung des Baues einer ostafrika­nischen Eisenbahn spricht. Wir geben seinen Gedankengang vollständig und größtenteils wörtlich wieder:

„Der Plan, mit einer kleinen Truppe (100 — 500 Mann) gegen die Sklavenjäger zu operieren, ist eine Phantasterei. Wie will man diese Sklavenjäger zum Standhalten bringen? Wie will man auf einem Operationsfelde von taufenden Quadratmeilen die Antisklaverei- truppe hin und her, kreuz und quer marschieren lassen gegen un­greifbare Feinde in einem mörderischen Klima, dem Hungertode aus­gesetzt, selbst von den Eingeborenen überall gehemmt oder gar feind­selig empfangen? Ein solcher Krieg ist geradezu eine Unmöglichkeit,

Banmgortcn, Ostasrila, Sudan », Sceengebiet. 35