Sanstöar (1888).
Sansibars, den Ausgangspunkt aller Forschungsreisen in Ostafrika, sowie eines sehr bedeutenden Handels, darf man sich nicht als einen halbwilden Ort mit einer Negerbevölkerung in StrohlMen vorstellen. Durch seine fortwährende Berührung mit europäischer Kultur und die Intelligenz seines vorletzten Sultans Sald Bargasch ist es heute eine halb europäische, halb arabische Stadt von 80 000 bis 85 000 Einwohnern mit prachtvollen Konsulats- und Kaufmannshäusern aller Nationen, einem großen Palaste des Sultans, überragt von einem hohem Turme mit elektrischem Lichte, einem schönen Hotel, einem Zollamte, einer zum Teil gut organisierten Armee. Mit dem Festlande von Afrika, Calcutta und Bombay steht sie mittelst einer Flottille schöner Dampfer in regelmäßiger Verbindung; ein Telegraphenkabel verbindet die Stadt mit der übrigen Welt. Prächtige Landstraßen durchschneiden die Insel und führen zu den herrlichen Landhäusern des Sultans, sowie zu zahlreichen Plantagen. Bei dem großen Interesse, welches diese Stadt unter allen, die heute ihr Augenmerk auf Ostafrika richten, erregen muß, wird man gern
*) Sansibar ist die beste deutsche Schreibart. Da beide s des Namens an Ort und Stelle weich gesprochen werden, so haben die Franzosen die Schreibart ^-m-idar auigebracht, die im Deutschen zu einer falschen Aussprache veranlassen muß. Früher wurde die Insel Sangebar (Sanguebar) genannt, „Land der Schwarzen", vom arabischen ssnA „schwarz", bar „Gegend". Der einheimische Name lautet Unguya, der indische Dschindschibir. B.