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zukehren, wurde uns nicht leicht; aber die Erwägung, daß bei unserer mangelhaften Ausrüstung eine vollständige Besteigung des schneebedeckten Gipfels ohnehin unmöglich sein würde, gewährte uns einen Trost. — Nach mancherlei vergeblichen Versuchen gelang es uns, ein schwach glimmendes Feuer anzuzünden; wir nährten es mit zarten Haidekräutern und bestimmten aus dem Siedepunkt des Wassers und mit dem Barometer die Höhe auf 4280,5 m (5 m höher als der Gipfel des Finsterahorns). Daß bei einer solchen Verdünnung der Luft unsere Glieder, welche bekanntlich nicht von uns, sondern vom Druck der Atmosphäre zusammengehalten werden, uns im eigentlichsten Sinne des Wortes schwer wurden, kann nicht verwundern. Schließlich begaben wir uns auf den Rückweg, da das Wetter sich inzwischen nicht aufgeklärt halte und überhaupt nicht aushellen zu wollen schien."
2. Der Kilima Ndscharo und der Kenia, bestiegen und beschrieben von Joseph Thomson ^) und dem Grasen Teleki.
^ Her MiiW Rdschmo.
Dem jungen schottischen Geologen Joseph Thomson, 1879 Teilnehmer an Johnstons Reise nach dem Nyassasee, dann Leiter dieser Forschungsreise, gelang es 1882—1883 durch das Land der gesürchteten Massai die ostafrikanischen Schneeberge zu erreichen.
Vom Kilima Ndscharo ist zu bemerken, berichtet Thomson, daß das Wort nach der gewöhnlichen Auffassung den Berg (Kilima) der
*) Nach Fr. v. Hellwald, Die weite Welt. Berlin und Stuttgart, Verlag von Spemann, o. I. — S. 103 dieses sonst gediegenm und interessanten Werkes ist irrtümlich gesagt, das Hochland des Kilima Ndscharo und Kenia sei vor Thomson noch von niemandem betreten worden. Im Gegenteil hat Rebmann 1349, von der Decken 1361 den Kilima Ndscharo erreicht, 1362 denselben bis zur Höhe von 4236 m erstiegen; ebenso kam 1372 der Missionar New bis zur Schneelinie; 1877 sah Hildebrandt diesen Berg; erst 1883 erstieg ihn Thomson, dessen Angaben von denen des Baron von der Decken wenig abweichen. Nur dm Kenia erreichte Thomson zuerst.