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6 Uhr war man wieder auf dem Marsche. Welcher andere Mensch außer dem Neger wäre imstande, so etwas zu leisten? Die Leute waren immer zufrieden, wenn sie nur des Abends sich satt essen konnten, und selbst das war den Trägern der Mohammedaner nicht immer vergönnt, sei es, daß nicht viel Nahrung eingekauft werden konnte, sei es, daß die Eigentümer der Karawanen knauserten. Wavakomo-Neger ruderten oft den ganzen Tag, ohne Nahrung zu sich genommen zu haben. Die Besiegung der Schwierigkeiten und Anstrengungen, welche bei dem Dampfertransport am Kongo von den Sansibar-Leuten überwunden worden sind, war auch nur dem Neger möglich.
2. Ansichten und Erfahrungen von Herman Soyaux und Missionar Greiner.
Einer der erfahrensten Kenner Afrikas Herman Soyaux spricht sich über die bei der Erziehung des Negers bisher gemachten Fehler, besonders über den Zwang zur Arbeit und zur Annahme der Kultur in folgenden höchst beherzigenswerten Worten aus^):
„Diese Erziehung von außen eingreifend in seine Entwickelung baute sich nicht folgerichtig auf und aus als allmählich Werdendes, fondern wurde ihm, dem unzureichend Vorbereiteten, als fertiges Ganzes gebracht. Daß wir nordischen Völker, vielleicht in derselben ungemessenen Zeit, in diesem Werden und Wachsen dem Neger unendlich weit vorausgekommen sind, liegt eben wohl darin begründet, daß eine allzu gütig spendende Natur kaum geistige Entwickelung in ihm besonders anregte, da der Wald ihm sicherer seinen Tisch deckte als dem gegen ein rauheres Klima ankämpfenden Vorfahren der
*1 Herman Soyaux, Deutsche Arbeit in Afrika. Leipzig, Brockhaus, 1838. S. 123 fj. Man muß in dem Werke selbst die auf unsere kurze Stelle folgende ausführliche Auseinandersetzung seines auf zehnjähriger Praxis beruhenden vortrefflichen Systems der Erziehung afrikanischer Eingeborenen lesen, für dessen Ausführung Deutsch-Ostafrika hoffentlich in naher Zeit ein sehr geeigneter Boden sein wird. B.