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Der koloniale Verkehr Deutsch-Ostafrikas : ein wirtschaftsgeographischer Versuch / von Johann Gottfried Benndorf
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(ü. Die Usambarabahn und anschließende Projekte.

Unsere erste Kolonialbahn, die 352 Km lange Usambarabahn von Tanga nach Neumoschi eine Entfernung wie StettinBreslau, ist leider bis heute eine Stichbahn geblieben. Schon von Baumann war 1891 die Verbindung des Victoriasees mit Tanga vorgeschlagen worden (3, L5g), deren Bau zwei Jahre später in Meterspur als Privatunternehmen in Angriff genommen wurde. 1896 wurde die Strecke TangaMuhesa (40 lim) dem Betrieb übergeben. Damit war zugleich aber auch das Kapital aufgebraucht. Zudem brachten heftige Regengüsse in diesem Jahre schwere Dammschäden und Betriebsstörungen. So mußte denn seit 1897 die Regierung Beihilfen gewähren und schließlich nach zwei Jahren die Bahn ganz übernehmen. Der Weiterbau aber stockte, und erst 1905 konnte die Strecke TangaMombv für den Verkehr eröffnet werden. An 139 Kilometern war 12 Jahre lang gebaut worden! Hätte der Staat von Anfang an den Bahnbau als seine Angelegenheit betrachtet, es wären manche Fehler vermieden worden. So war uns die erste Kolonialbahn mit ihren Mißerfolgen teuer zu stehen ge­kommen. Für die ganze Strecke TangaKorogwe hatte man 79 000 M. Kilometerkosten ausgegeben, während selbst die höchsten vorherigen Berech­nungen nur 45000 M. ergeben hatten. Seitdem aber die Bahn nach ihrer Vollendung 1905 an die deutsche Kolonial-Eisenbahnbau- und Betriebs­gesellschaft in Berlin verpachtet war, konnten die Zuschüsse dank einer günstigen Verkehrsentwicklung aufhören, denn die Einnahmen stiegen von Jahr zu Jahr. Schon im zweiten Jahre, 1906, hatte man einen Betriebs­überschuß von 34000 M. zu verzeichnen, 1907 waren es 132 000 M., 1911 391000 M. (94). Von 1905 bis 1907 verdoppelte sich der Personen­verkehr, der Güterverkehr verdreifachte sich, der Betriebsüberschuß hob sich fast auf das Viersache. Es konnte deshalb auch ein günstigerer Pacht­vertrag abgeschlossen werden, der, seit dem 1. April 1903 geltend, eine jährliche Mindestpacht von 152 000 M. abwarf. Desgleichen ermutigten die Erfolge zum Weiterbau um 45 Km bis Buiko, welche Strecke 1909 bereits eröffnet wurde. Im nächsten Jahre begann der Weiterbau nach Moschi, wo man 1911 anlangte. Die dem Schutzgebiet zu zahlende Mindest­pacht hatte sich seit dem 1. April 1910 auf 246000 M. erhöht.

Bei den Neubauten von Mombo ab wurde, um eine größere Leistungs­fähigkeit der Bahn durch Einstellung schwererer Züge zu erzielen, der Oberbau verstärkt (36, 40). So war,' mit rund 82400 M. für das Kilo­meter (36, 97/98), von Tanga nach Moschi ein Erschließungsweg geschaffen worden, der allen Anforderungen des kommenden Verkehrs genügen konnte, zumal man auch eine Verstärkung der Stammstrecke TongaMombo in Aussicht nahm. Diese Um- und Ergänzungsbauten sind bereits vor dem Ausbruch des Weltkriegs begonnen und nach bis Ende 1914 reichenden Berichten auch weitergeführt worden. Ebenso war mit den Vorarbeiten für die Verlängerung der Bahn von Moschi um weitere 86,4 Km nach Aruscha, das vorläufig den Endpunkt bilden sollte, begonnen worden (D.K.B. 191s, 210; 1916, 128).