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Der koloniale Verkehr Deutsch-Ostafrikas : ein wirtschaftsgeographischer Versuch / von Johann Gottfried Benndorf
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Der Verkehr in der deutschen Kolonie Ostafrika.

Wenn man den Motiven nachgeht, aus denen heraus Ostafrikas Küste und Inneres bisher aufgesucht wurden, so ist es in erster Linie die Gewinnsucht der fremden Händler gewesen, die einen immer reger werdenden Verkehr hervorgerufen hat. Rücksichtslos entnahm man dem Lande, was es her­geben konnte, vor allem Sklaven und Elfenbein. Die eigentliche Beendigung des Sklavenhandels, der ganze Landstriche entvölkert und gewaltsame Ver­schiebungen der Bevölkerung verursacht hatte, wurde erst durch die Besitz­ergreifung Deutschlands erreicht, wenn er auch 1873 durch einen Vertrag der Engländer mit Seyid Bargasch nominell aufgehoben worden war (26,s?). Will man den bis in diese Jahrzehnte hier herrschenden Verkehr kurz be­zeichnen, so kann man ihn wohl einen Ausbeutungsverkehr nennen. Dieser charakteristische Zug hebt sich mit aller Schärfe heraus, obschon man den bisherigen Trägern des ostafrikanischen Verkehrs eine zum Teil hervorragende kolonisatorische Tätigkeit nicht absprechen kann. Zahlreich und mannigfaltig sind die Kulturelemente, mit denen sie Ostafrika bereichert haben. Alle Kürbisarten, die Tomate, einige Bohnenarten, Mais, Süß­kartoffel, Maniok, Ananas, Erdnuß u. a. sind durch die Portugiesen ein­geführt worden, die Mandarine, Pampelmuse, Zimt, Cardamom, Brotfrucht­baum, Muskatnuß brachte die zweite arabische Invasion (30, 86L, 864). Aber mit den eigenen Produkten und Kräften des Landes trieben diese Kolonisatoren einen Raubbau verwerflichster Art, der schließlich ihre Kolonisation selbst wieder vernichtet hätte, wäre die ganze Entwicklung dieses Systems nicht gewaltsam abgebrochen worden. Sowie wirkliche Kolonisation in einem fremden Lande das Ziel eines Volkes ist, müssen sich die Motive des Verkehrs mit Naturnotwendigkeit ändern und auch mannigfaltiger werden. Erst mit der wahren kolonialen Tätigkeit wird auch eine Verkehrspolitik einsetzen, die eine Erschließung des Schutzgebiets für die wirtschaftliche, kommerzielle und politische Herrschaft des Mutter­landes bezweckt (19,403). Ein diesem Bestreben dienender Verkehr ent­nimmt nicht nur dem Gebiete die auf dem Weltmarkte begehrten Güter, sondern vermag auch zu bewirken, daß sie nicht erschöpft werden soweit es nicht erschöpfbare Produkte, wie Mineralien sind indem er die Produktion fördert und Ersatz bringt. Für ihn dürfte der NameEr­schließungsverkehr" zutreffend sein. Dieser setzt sich also in Deutsch- Ostafrika seit der Begründung der deutschen Herrschaft mehr und mehr durch.

I. Verbindungen mit der Heimat nnd sonstiger Küsten­verkehr.

Das Haupterfordernis zu einer aussichtsreichen Erschließung der Kolonien liegt natürlich in einer zweckmäßigen und regelmäßigen Verbindung mit dem Mutterlande.