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Der koloniale Verkehr Deutsch-Ostafrikas : ein wirtschaftsgeographischer Versuch / von Johann Gottfried Benndorf
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2. Eisenbahnen.

Allgemeines.

Im trvpischen Afrika sind die geographischen Voraussetzungen auch für den Eisenbahnverkehr um vieles ungünstiger als bei uns. Der Hochplateaucharakter Ostafrikas mit seinen Gräben und Bruchstufen verlangt starke Steigungen, es sind Steppen zu durchqueren, die eine Mitführung von besonderen Wasserwagen oder die Einstellung ganzer Wasserzüge er­heischen, es fehlt vielfach an geeignetem Feuerungsmaterial. Da das vor­handene Holz oft nicht genügt, auch durch schnelle Abnutzung der Kessel und durch Funkenflug Nachteile mit sich bringt, muß Kohle von der Heimat oder von Natal eingeführt werden (36, 411). Brückenbauten und Schwellen sind aus Eisen herzustellen, weil Holz durch Witterungseinflüsse und In­sekten rasch zerstört wird.

Erdarbeiten müssen möglichst eingeschränkt werden, denn in dem auf­gewühlten Boden kommt die Brüt der Moskitos und gefährlicher Zecken schnell fort, deren Stich oft tödlich verlaufende Fiebererkrankungcn unter den Arbeitern hervorruft. Beim Bau der Kongobahn MatadiLeopold- ville (189098) z. B. gingen in anderthalb Jahren von 4500 Arbeitern 900, also 20"/« zugrunde (58), Verluste, die bei dem im äquatorialen Afrika herrschenden Arbeitermangel verhängnisvoll sind. Und doch muß der Unter­bau der Bahn sorgfältig angelegt und fest gegründet sein in Rücksicht auf den üppigen Pflanzenwuchs und die zerstörenden Regengüsse. Diese machen außerdem zahlreiche Durchlässe im Damm nötig, wenn diesen die Wassermassen nicht überfluten oder gar wegspülen sollen, wie es bei der Usambarabah^ vorgekommen ist (94, 1909/10, B. 54).

Die tropische Hitze erfordert besondere Vorsichtsmaßregeln beim Bau der Personenwagen, zumal der für die Europäer bestimmten, wie Holz- jalousien, doppelte Seitenwände und Dächer (41, 109). Für die Weißen ist ohnedies die lange Fahrt es sind ja viel größere Strecken im Durch­schnitt zurückzulegen als bei uns keine Annehmlichkeit. Andererseits ist die Milde des Klimas dadurch von Vorteil, daß Schnee und Eis dem Verkehr keine Hindernisse in den Weg legen, und daß die Personenwagen der Heizung entbehren können.

Auch die Bahnhöfe muffen dem Klima angepaßt und mit Veranden, Vordächern usw. ausgestattet werden. Bemerkenswert ist, daß für Bahnhofs­bauten in unseren Kolonien viel Geld aufgewendet wird. Sie werden meist aus Stein aufgeführt, während z. B. in den englischen Kolonien Wellblechhänser denselben Zweck verrichten.

Schließlich ist beim Bau aller Betriebsmittel zu erwägen, daß in den Kolonien kein geschultes Eisenbahnpersonal vorhanden ist, da zu allen schweren Arbeiten Eingeborene herangezogen werden müssen. In Hinsicht ans ihr mangelhafteres Begriffsvermögen und ihre geringere Sorgfalt ist daher alles möglichst einfach zu gestalten. Auch die Fahrgeschwindigkeit muß deshalb geringer sein als in Europa (80, 404). Da aber im tropischen