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Der koloniale Verkehr Deutsch-Ostafrikas : ein wirtschaftsgeographischer Versuch / von Johann Gottfried Benndorf
Entstehung
Seite
58
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S3

ISI. Der Landverkehr.

1. Straszen. ^. Karawanenstraßen.

Läßt die geographische Beschaffenheit Ostafrikas, dessen Plateaustufen für den Wasserverkehr unüberwindliche Hindernisse sind, und dessen Klima mit seinen schroffen Gegensätzen von Regen- und Trockenzeit eine zu große Unbeständigkeit in der Wasserführung der Flüsse hervorruft, eine Verbindung der beiden Wirtschaftszonen, des östlichen Küstenlandes und der Randländer der großen Seen, durch natürliche Verkehrsadern nicht zu, so findet auch der Verkehr zu Lande in den Zwischenländern zwischen Meeres- und Seen­küste vielerlei Erschwerungen, bedingt durch den orographischen Bau, durch ungünstige klimatische Faktoren, durch kriegerische Nomadenvölker und andere schwer zu überwindende Widerstände, so daß es Jahrhunderte gedauert hat, bis die an der Meeresküste sich niederlassenden Kolonisatoren ins Innere zu dringen vermochten. Hier fanden sie das zweite verkehrsfördernde Gebiet, dessen Vorteile sie sich rasch zunutze machten, und das dann dauernd mit der Küste in Verbindung blieb. Trotzdem sich aber allmählich ein umfang­reicher Verkehr zwischen Meer und Binnenseen herausgebildet hatte, konnte er doch nicht über die primitivste Form menschlichen Verkehrs überhaupt, über das Trägerwesen, hinauskommen. Denn einmal ist die Verwendung von Lasttieren wegen der weiten Verbreitung der Tsetsekrankheit (vgl. S. 69) und weil die Neger ihre Haustiere, außer dem Esel bei manchen Stämmen, « dem Verkehr nicht dienstbar machen konnten (57, im tropischen Afrika so gut wie unmöglich, zweitens lag aber gar kein Bedürfnis für eine Ver­besserung der Warenbeförderung vor, da die Haupthandelsvbjekte bis zur Besitzergreifung Ostafrikas durch das Deutsche Reich Elfenbein und Sklaven waren. So hatte man nicht nur ein hochwertiges Gut, das eine monate­lange Beförderung vertrug, fondern auch ein außerordentlich billiges Trans­portmittel. Erst der europäische Verkehr, der keine Ausbeutung, sondern eine Erschließung bezweckt, mußte sich anderer Hilfskräfte bedienen. Anfangs galten jedoch die Schwierigkeiten, die eine Durchquerung Afrikas bietet, in demselben Maße für ihn wie für den unserer Vorgänger, der Araber.

Schon die Bodengestaltung ist einem Herannahen von Osten her ungünstig, da das innerafrikanische Hochland durch das östliche Randgebirge, das mit hohem und steilem Abfall aus dem Vorland emporwächst, größten­teils abgesperrt ist. Ist freilich der Plateauabfall einmal überwunden, so bieten die weiten Hochlandsebenen im Innern weniger Widerstände (57,33). Aber nur wenige tiefe Lücken, wie das Panganital, die Mambojasenke, das Mukundokwatal und das Ruahatal, oder das breite Eingangstor des Ost-Massaigebietes lassen einen bequemeren Anstieg ins Innere zu. (Vergl. das nebenstehende Profils)

1 Die Grundlage dieses Profils bildet der Große Deutsche Kolonialatlas i. M, 1:1000000 (Blatt 18, 20, 21, 23). Um die Senken deutlich hervortreten zu lassen, mußte es an zwei Stellen gebrochen werden. Die Namen darunter bedeuten, soweit sie