Druckschrift 
Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

Das Verbot dieses alten Bundes und das rigorose Vorgehen der Polizei erzeugten bei allen Betroffenen Empörung und Aufregung 58 . Bis dahin unbescholtene Bürger sahen sich plötzlich wie Kriminelle behandelt und mußten erkennen, daß die antijüdischen Kampagnen der Nationalsozia­listen nicht einmal vor privaten Zirkeln und persönlicher Lebensgestaltung haltmachten.

V. Der Verlust des Gemeindeeigentums

Außer der Zerstörung ihres geistig-religiösen Zentrums und ihrer sonsti­gen Einrichtungen mußte die jüdische Gemeinde Bremens eineEntjudung" ihres Grundbesitzes, aber auch einen Raub ihrer finanziellen Rücklagen und wertvollen Kultgeräte hinnehmen.

1. Die Konfiszierung der Barmittel und Wertgegenstände

Im Zuge der Nachkriegsversuche, erlittenes Unrecht wenigstens auf materiellem Wege wiedergutzumachen, wurden auch von der neuen Bre­mer Israelitischen Gemeinde Nachweise über Verluste verlangt. So durften Gemeindevertreter in die Bankkonten der früheren Gemeindeverwaltung mit all ihren Ausschüssen Einblick nehmen und Aufstellungen machen. Ohne hier auf Einzelkonten, Eintragungen, Übertragungen und Löschungen, die sich zwischen 1939 und 1942 häuften, eingehen zu können, lassen sich folgende Erkenntnisse gewinnen 58 :

Das Guthaben der Gemeinde betrug gegen Ende 1942 bei einem ersten Bankinstitut RM 452 774,. Den Löwenanteil daran hatte die Reichsver­einigung der Juden in Deutschland 60 auf sich versammelt, aus Abgaben und Einzahlungen aller Art: RM 409 543,. Mit ca. RM 20 000, schlugen die Konten der Israelitischen Gemeinde als jüdischer Kultusvereinigung zu Buche, mit gleichem Betrag ein SonderkontoEhrengabe" auf den Namen des jeweiligen Gemeindevorstehers ab 1939 61 . Die restlichen Beträge zwi­schen RM 500, und RM 1500, brachten jüdische Wirtschafts- und Win­terhilfe oder der jüdische Frauenverein ein.

58 Obwohl der UOBB keine Freimaurerei betrieb, muß seine Auflösung vor dem Hintergrund der These einer jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung ge­sehen werden. Uber ihren Ursprung und ihre politische Funktion vgl. Johannes Rogalla von Bieberstein, Die These von der Verschwörung 17761945, Frank­furt 1978.

59 Qu. 61.

60 Die 1939 geschaffene Reichsvereinigung der Juden in Deutschland (vgl. S. 140) kassierte alle von den Juden geforderten Abgaben und vereinnahmte das Ver­mögen der aufgelösten oder in sie eingegliederten jüdischen Vereine, Organi­sationen und Stiftungen.

61 Das waren in zeitlicher Reihenfolge Joseph Platzer*, Carl Katz*, Karl Bruck*.

172