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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
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D. Erschwerungen der Gemeindearbeit

I. Zur Situation 1933

Auch wenn nur etwa 220 in Bremen wohnende Juden in der Israeliti­schen Gemeinde organisiert waren, so bestand doch ein Miteinander, das sich eindrucksvoll in der engen Nachbarschaft der bevorzugten Wohn­bezirke niederschlug. Das Band, das viele jüdische Bürger durch etwa gleiche Lebensumstände verband, wurde in zahlreichen Fällen verstärkt durch weitverzweigte verwandtschaftliche Beziehungen 1 .

An das Vorhandensein besonderer Nachbarschafts- und Verwandtschafts­beziehungen ist schon deshalb zu erinnern, weil die verfolgten Menschen unter den bedrückenden Lebensumständen so nicht allein standen. In Rat­losigkeit, Zweifel und Verzweiflung konnte man sich besprechen und ge­wissermaßen Überlebensstrategien entwerfen. Im allgemeinen kann man davon ausgehen, daß Juden etwa gleicher sozialer Herkunft oder beruflicher Betätigung sich untereinander kannten, wenn nicht persönlich, so doch vom Hörensagen, vom Geschäftsleben, vom Einkaufen, von dieser oder jener Begegnung 2 . Im Laufe der nächsten Jahre rückte man wohl auch innerlich näher zusammen.

Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft hatte Bremen etwa 1300 Glaubensjuden, die sich in der Folgezeit ob erklärtes Gemeindemitglied oder nicht immer stärker an dem Gemeindeverband orientierten, auf seine Reaktionen achteten, bei ihm und seinen angeschlossenen Organi­sationen Rat und Hilfe holten und Vertreter dieser Gemeinde mit der Wahrnehmung ihrer Interessen betrauten. Ein Umstand, der andererseits diese Institution stärkte, dem Vorstand und Gemeinderat mehr Kompetenz gab und ihn für die Behörde zum entsprechenden Gesprächs- und Verhand­lungspartner machte.

Die erste Reaktion auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten inner­halb der Gemeinde scheint eine Sitzung von Vorstand und Gemeinderat noch am 30. Januar 1933 gewesen zu sein, auf der Fragen der Altersfürsorge und andere finanzielle Angelegenheiten besprochen wurden 3 . Es war abzu­sehen, daß man mit anderen als nur finanziellen Schwierigkeiten rechnen mußte. Einen ersten Vorgeschmack gab der Einbruch, den sechs SA-Männer

1 Nicht zuletzt spielten familiäre Bindungen bei der Auswanderung eine große Rolle. Beispiele dafür finden sich auch in der Hansestadt in Fülle, z. T. sind sie ersichtlich aus dem Verzeichnis der Bremer Juden, S. 267 ff. Die hiesigen Quellen stützen die allgemeine Erkenntnis, daß der Zugriff der Nationalsozialisten ganze Familienverbände auseinanderriß oder auslöschte.

2 Das bestätigten Gespräche d. Verf. mit ausgewanderten Bremer Juden, die nach dem Schicksal ihnen zwar namentlich, aber sonst nicht näher bekannter Leidens­genossen fragten.

3 Lattka, S. 16 f. Ob tatsächlich an diesem Tagefinanzielle Angelegenheiten" be­sprochen wurden, ist nicht mehr nachzuweisen. Allerdings richtete man Spen­denlisten zur Unterstützung von Auswanderern ein.

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