Einleitung
Als im Sommer 1967 der Tod Dr. Thomas Achelis die Feder aus der fleißigen Hand nahm, war der seit Monaten kränkelnde Mann gerade im Begriff, die Einleitung zu der endlich im Druck herauszugebenden Bremer Matrikel zu schreiben. In seinem Nachlaß fanden sich viele mehr oder weniger ausgearbeitete Aufzeichnungen dafür, die zum Teil schon vor 1962 entstanden waren 1 ). Darauf konnte ich zurückgreifen, als ich es nun notgedrungen unternahm, das Wichtigste über die Bremer Matrikel und das für ihre Benutzung Notwendige den Lesern mitzuteilen.
In der heutigen Zeit, da man sich um die Gründung einer Bremer Universität bemüht, dürfte es nicht unangebracht sein, auf die Tatsache aufmerksam zu machen, daß es hier schon einmal, von 1610 bis 1810, eine Hochschule gegeben hat, deren Verwaltung, Einrichtungen und Lehrbetrieb dem glichen, was an den damaligen Universitäten üblich war. An ihr wirkten Professoren von europäischem Ruf, und aus vielen Ländern Europas kamen Studenten hierher, vor allem solche reformierten Bekenntnisses. Diesem hatte sich Bremen um 1580 unter Mitwirkung des Superintendenten Christoph Pezel in einer völlig lutherischen Umwelt zugewendet. Seitdem war in der Stadt das Verlangen rege geworden, in ihren Mauern eine akademische Bildungsanstalt zu errichten, auf der ihre Söhne und auswärtige Glaubensgenossen in dem Geist der hier gültigen religiösen Gesinnung bestärkt würden. Man wollte sich auch in Streitfragen, besonders glaubensmäßiger und rechtlicher Art, auf Gutachten hiesiger angesehener Dozenten stützen und hier ausgebildete Männer in wichtigen Lebensstellungen verwenden können. Schon 1584 war der in Bremen seit 1528 bestehenden Lateinschule eine classis publica angegliedert worden, in der die Anfänge der Fakultätswissenschaften gelehrt wurden. Einer ihrer Lehrer war der durch seine Bemühungen um Verhütung der Ansteckung bei Pestepidemien und durch seinen Kampf gegen Hexenprozesse rühmlich bekannt gewordene Johann von Ewich aus Kleve. Im Jahre 1610, als der tatkräftige Bürgermeister Henrich Krefting das Regiment führte, entschloß man sich, nach dem Herborner Vorbild ein Gymnasium Illustre mit allen vier Fakultäten zu errichten, auf dem neben den von auswärts Zuziehenden auch die Abiturienten der Bremer lateinischen Schule, des Pädagogeums, eines Gymnasiums im heutigen Sinne des Wortes, ihre Studien antreten konnten, um zu einer angesehenen Stellung in Kirche, Staat und freien Beru-
') Der gesamte Nachlaß von Achelis, soweit er für die Bremer Matrikel in Betracht kommt und uns von der Witwe zur Verfügung gestellt wurde, wird dem Staatsarchiv Bremen übergeben werden.