Zum Geleit
Ein auf der Höhe des Forschens und der Kunst des Veröffentlichens stehender Abdruck der Matrikel des bremischen Gymnasium Illustre stand auf meiner wissenschaftlichen Wunschliste, seitdem ich das erste Mal mit Matrikelstudien zu tun hatte. Das war 1927, als die Philipps- Universität in Marburg ihr vierhundertjähriges Bestehen feierte, wofür ich damals die Bremer zusammenstellte, die in Marburg im I.Jahrhundert der Alma Mater Philippina studierten 1 ). Als erstrebenswertes Vorbild für eine solche Veröffentlichung erschien mir Elias Steinmeyers Ausgabe der Altdorfer Matrikel vom Jahre 1912 2 ), vor allem deshalb, weil sie in reicher Fülle Anmerkungen zu den Lebensschicksalen der aufgeführten Studenten bot. Vier Jahrzehnte später ist mir dieser Wunsch durch gute Freunde erfüllt worden. Dafür bin ich von ganzem Herzen dankbar.
Der erste, mit dem ich darüber sprach, war mein von mir unvergessener, hochverehrter Lehrer und Freund Alfred Schmidtmayer, als er wegen seines Ohrenleidens aus dem Schuldienst zur Mitarbeitertätigkeit im Bremischen Staatsarchiv hinüberwechselte, dessen Leitung ich damals gerade übernommen hatte. Aber er starb, viel zu früh auch für unsere Hochschulforschungen, am 7. August 1937, noch keine 55 Jahre alt. Wir hatten den damals wohl besten Kenner der alten bremischen Hochschule verloren, der sich mutig auch an das auf sie bezügliche Aktenstudium gewagt hatte.
Dann kam der Krieg mit seinen Zerstörungen, kamen die unglücklichen Nachkriegs jähre mit ihren Sorgen um die Rückführung ausgelagerten Archivsgutes, ohne daß dies, auch in Bezug auf die alte bremische Schule, ganz gelungen wäre. Den Plan einer Veröffentlichung ihrer Matrikel hatte ich freilich nicht aus den Augen verloren. Eine Freundschaft mit Thomas Otto Achelis, der mir seit der Bremer hansisch-niederdeutschen Tagung von 1931 wohlbekannt war, hat ihn in der Nachkriegszeit um so mehr zu neuem Leben entfacht, als er, damals bereits in der zuständigen Fachwelt als einer der besten Kenner der Hochschulmatrikeln bekannt, mir zu helfen sich erbot.
Festere Gestalt gewann diese Zusammenarbeit, als Dr. Achelis im Juli 1958 auf einer der „auf den Spuren der Hanse" ins Ausland führenden Studienfahrten der Historischen Gesellschaft in Kopenhagen zu uns stieß, wo er damals in den Archiven Nachsuche nach schleswig-holsteinischen Studenten im dänischen Herrschaftsbereich hielt. Es war auf einer
1 ) Friedrich Prüser, Bremen und die Universität Marburg im ersten Jahrhundert ihres Bestehens. Bremisches Jahrbuch, 31. Bd. (1928), S. 181—267.
2 ) Elias von Steinmeyer, Die Matrikel der Universität Altdorf. Veröffentlichungen d. Gesellsoh. f. fränkische Geschichte. IV. Reihe. 2 Bände. Würzburg 1912.