7. Epidemien am Ende des 17. Jahrhunderts
Im Jahr 1669 war es wieder Bremen, das zum eigenen Schutz Sperren errichtete. Nach Nienburg und Hoya gingen im September Schreiben ab, in denen unter Hinweis auf das angeblich dort herrschende hitzige Fieber und die Rote Ruhr die Vorlage von Gesundheitszeugnissen für Einreisende verlangt wurde; Wolle, Leinen und ähnliche Materialien, an denen die Infektion leicht hafte, würden nach Bremen überhaupt nicht mehr eingelassen. Umgehend trafen Antwortschreiben ein, daß von den genannten Gebieten gar keine Gefahr ausginge. Nienburg stritt ein Auftreten der Contagionskrankheit ganz ab; Hoya gab zwar vier Todesopfer der Ruhr zu, glaubte aber, durch Versperrung der infizierten Häuser die Weiterverbreitung verhindert zu haben 247 .
Aus den 1670er Jahren finden sich Nachrichten über Fälle von hitzigem Fieber 1672 und 1673 in den Diakonierechnungen 248 und über bald darauf aufgetretene starke Epidemien in dem Erinnerungsbuch des Kramers Hinrich Mahl- stede. 1676 seien im Sommer so viele Fliegen aufgetreten, wie selbst alte Leute noch nicht gesehen hatten. "Auch so ist hin und wieder viel Kranckheit entstanden von dem Blutganck wie auch Hauptkranckheit und Fleckenfieber, da den viel junge Leute seint [hjinweg gestorben." 249 Zu 1679 vermerkte er: "In diesem Sommer ist eine swere Hitze gewesen, daß sich die Leute wegen großer Hitze nicht konten behelfen, worauff dan auch ein große Kranckheit und Fieber im Herbst gefolget, daß fast in allen Heusern Krancke gewesen, auch vielle gestorben sein. Es ist dieß Fieber oder Kranckheit fast über gantz Deutschlandt gegangen. Es ist so schwer in Hollandt gewesen, daß sie ge- schriben, daß über 36dusent Menschen in Amsterdam sein unter Doktoren- kuhr gewesen ohne die noch, so nicht unter die Kuhr deren Doktoren gewesen sein. Diese Kranckheit ist fast über die gantze Welt gegangen, also daß man mutmaßet, es sey durch die große Hitze gekomen." Diese Fieberkrankheit fand auch Niederschlag im amtlichen Schriftgut. Am 24. September 1679 wurde die Formel für einen Gesundheitspaß in der Wittheit gebilligt, der den freien Handel der eigenen Bürger sichern sollte 250 .
Die Pest breitete sich in dieser Zeit in Mittel- und Ostdeutschland weiter aus. Wie sich das auch in Bremen auswirkte, zeigt das Beispiel des Kaufmanns Eimer Rolfes. Er klagte am 16. Juli 1680, daß die von ihm gekauften schlesischen Tuche unter freiem Himmel vor den Toren Bremens verrotteten, weil er sie nicht hereinbringen dürfe, obwohl sie schon längere Zeit im pestfreien Hamburg gelagert hätten, so daß keine Gefahr mehr von ihnen ausginge 251 . Im November 1680 bezeugten sämtliche Ärzte und Chirurgen Bremens mit Unterschrift und Siegel, daß Bremen pestfrei sei 252 . Im folgenden Jahr wurde der
247 2-S.7.a.l3.b.
248 2-P.l.u.2.b.55., S. 135, 139.
249 2-S.8.u.l.a„ Bd. 1.
250 2-P.6.a.9.c.3.b.l3., S. 159.
251 2-S.7.a.l3.a.2.b.3.
252 Ebd.; auch 2-S.7.a.l3.a.2.a.3.h.
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