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Die Pest in Bremen : Epidemien und freier Handel in einer deutschen Hafenstadt 1350 - 1713 / Klaus Schwarz
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6. Die Pest von 1664 bis 1667 unter schwedischer Bedrohung

1664 machte sich die Pest erneut in Nordwestdeutschland bemerkbar. Im Mai griff sie von Hamburg aus um sich; in der ersten Augusthälfte waren die Dör­fer Apensen, Dorum und Drochtersen infiziert 189 . Am 16. August warnte der Bremer Rat in einem Proklam die Bevölkerung davor, die benachbarten Städ­te, Flecken und Dörfer zu betreten, die von der Seuche heimgesucht würden, nannte aber keine Namen. Wer von dort komme, müsse durch einen Gesund­heitspaß nachweisen können, daß er sich in den letzten sechs Wochen an einem pestfreien Ort aufgehalten habe oder aber, falls er Bremer sei, sich zu einem Quarantäneaufenthalt von gleicher Dauer im eigenen Hause einschlie­ßen lassen 190 . Um der Errichtung von Handelssperren vorzubeugen, gingen am 26. August beschwichtigende Schreiben an die Herzoge Christian Ludwig in Celle und Georg Wilhelm in Hannover ab. Zwar sei ein von Amsterdam kom­mender Fremder vor mehr als drei Wochen ohne Wissen des Rats bei einem hiesigen Bürger eingekehrt und neben drei anderen Bewohnern des besuch­ten Hauses verstorben, aber die sofortige Verschließung und Bewachung der Wohnung habe jede Ausbreitung der Seuche verhindert. Der freie Handel brauche deshalb keineswegs eingeschränkt zu werden. Jedenfalls bestand neben Hamburg in Amsterdam eine weitere Einfallspforte der Pest nach Nord­westdeutschland.

In der Begräbnisliste der vorstädtischen St.-Remberti-Kirche von 1664 wird ausnahmsweise bei drei Bestatteten die Todesursache, nämlich die Pest, auf­geführt, am 26. Juni für Johann Meyers Frau und Tochter und am 10. Juli für seinen Sohn 191 . Die vom Rat als Folge des Amsterdamer Besuchs genannte und die sich aus der Kirchenrechnung ergebende Zahl stimmen zwar überein, in der Zeitangabe ist aber eine so erhebliche Abweichung, daß man wohl von der Annahme ausgehen muß, es habe sich um die Bewohner zweier verschiedener Häuser gehandelt. Jedenfalls blieb die Pest in Bremen 1664 auf sehr verein­zelte Vorkommen beschränkt und hat nicht zur Verhängung von Sperren über Bremen geführt.

Ganz ungeschoren blieb der Handel freilich nicht. Der freie Verkehr wurde dadurch beeinträchtigt, daß auch das lüneburgische Gebiet in Mitleidenschaft geriet und die Pest sich im Stader Raum weiter ausbreitete, wo Cappel, Mid­lum, Spieka, Neuenfelde, Hollern, Cranz, Estebrügge, Mitteln- und Neuenkir­chen, Ladekop, Hasselwerder und schließlich Bremervörde heimgesucht wur­den, ein deutliches Zeichen dafür, daß die Pest auch ländliche Gebiete schwer betraf. Bei Bremervörde, wo im Oktober und November 1664 37 Menschen an der Seuche starben, ist bemerkenwert, daß es einer der Hauptorte an der Durchgangsstraße Hamburg-Amsterdam war 192 . Oldenburg verhängte am 27.

189 Zu den Verhältnissen im Stader Raum vgl. Fritzei, S. 84.

190 2-S.7.a.l3.a.2.a.3.g.

191 2-P.l.u.2.b.44 S. 500.

192 Fritzei, S. 84. Erst im Juni 1665 wurde die Passage durch den Ort wieder gestattet, 2-S.7.a.l3.a.2.b.2.

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