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Die Pest in Bremen : Epidemien und freier Handel in einer deutschen Hafenstadt 1350 - 1713 / Klaus Schwarz
Entstehung
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Der Bevölkerungsverlust hat offenbar objektiv viel geringeres Gewicht ge­habt, als die subjektiv gefärbten Schreckensberichte der betroffenen Zeitge­nossen das erscheinen lassen.

3. Andere ansteckende Krankheiten 1629 bis 1653

Die starke Hervorhebung der Pest gerade in den erzählenden Quellen darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch andere gefährliche Infektionskrank­heiten immer wieder auftraten und gelegentlich epidemischen Umfang an- nahmen. Darüber finden sich überwiegend nur Einzelnachrichten, deren sy­stematische Sammlung noch aussteht, so daß hier nur einige Beispiele gebo­ten werden können. 1629, also gleich nach dem Erlöschen der Pest, machte einer der noch sehr wenigen Bewohner der eben durch Befestigungsanlagen vom flachen Land abgegrenzten Neustadt sein Testament, weil er von der "ab­scheulichen Seuche des Hofgangs", also der Ruhr, heimgesucht wurde 108 . To­desfälle infolge hitzigen Fiebers erwähnt zu 1630 und 1631 der Bürgermeister Henrich Meier; bei den Toten handelte es sich um die Witwe eines Namens­vetters, der Eltermann war, und den ehemaligen bremischen Bürgermeister und hessischen Rat Johann Zobel 109 . Der Syndikus Johann Wachmann sen. verlor im März 1635 im Abstand weniger Tage seine kleinen Töchter Geb­becke und Margaretha; als Todesursache nannte er Pocken oder Kinderblat­tern 110 .

Wirklich epidemisches Ausmaß erreichte wohl erstmals seit der Pest in den 1620er Jahren wieder das Fleckfieber zu Beginn des Jahres 1640. Wachmann verlor dabei am 4. Januar seinen Freund und Schwager, den Ratsherrn Elard Boenig, dem zwei Tage später seine Frau folgte 111 . Am 28. Januar starb Meiers Schwager Henrich Brokemohr und am 30. Januar die ebenfalls zum Verwand­tenkreis gehörige Mette Meyer; der Bürgermeister bezeichnete die Krankheit als Pestilenzfieber. Der starke Anstieg der Sterblichkeit veranlaßte den Rat zum Auftrag an die bremischen Arzte, einen "Kurtzen Bericht 11 mit Regeln für das Verhalten gegenüber dem "contagiosisch und pestilentialischen Petechial­oder Flecken-Fieber" zu verfassen, der im Februar 1640 vorlag 112 . Die Sympto­me wie Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen und Fleckenbildung wurden recht genau beschrieben, und da sie teilweise denen der Pest ähnelten, übernahm

108 2-Qq.4.c.3.b.2.d., S. 726.

109 2-P.l.h.6.a. Meier hat seinem Tagebuch Angaben über die Herkunft seiner Eltern und die Verwandten seiner beiden Ehefrauen beigegeben, die jedesmal mit neuer Seitenzählung beginnen. Einzelnachweise sind entbehrlich, weil es sich um chro­nologisch angeordnete Übersichten von leicht überschaubarem Umfang handelt.

110 2-ad P.7.a.2.(Nr. 1), S. 82.

111 Ebd., S. 98.

112 Das Rhederbuch vermerkt unter dem 15. Februar 1640 eine Zahlung im Zusam­menhang mit den Druckkosten, die wegen dereinreißenden Seuche entstanden waren, 2-R.l.A.3.b.31., S. 533.

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