Heft 
(2006) Bd. 3. [Dom]
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Struwe - 100 Jahre Reiterstandbild Kaiser Friedrichs

Ottmar Struwe

100 Jahre Reiterstandbild Kaiser Friedrichs

Noch nie habe er seinen Vater so schön aufge- fasst gesehen, soll Kaiser Wilhelm II. gesagt ha­ben, als er das Reiterstandbild seines Vaters in Augenschein genommen hatte. Er löste damit große Erleichterung in Bremen aus, und einer feierlichen Einweihung des Denkmals für Kai­ser Friedrich III. stand damit nichts mehr im Wege.

Die Vorgeschichte

Friedrich III. wurde 1831 in Potsdam geboren und starb dort nach nur 99 Tagen Regentschaft im Jahre 1888 an einem Kehlkopfleiden. Er war mit der englischen Prinzessin Victoria verheira­tet, welche sicherlich einen maßgeblich Anteil an seinen liberalen Vorstellungen einer konsti­tutionellen Monarchie hatte. Diese Einstellung und seine Erfolge als Heerführer und Förderer von Kunst und Wissenschaft begründeten wohl seine damalige Popularität, besonders beim fort­schrittlichen Bremer Bürgertum und wohl auch beim wohlhabenden Bremer Kaufmann Franz Schütte. Dieser stellte Anfang des Jahres 1902 ei­nen Antrag beim Senat, ein Denkmal für Kaiser Friedrich III. im entstehenden Schwachhausen aufstellen zu dürfen. Das Gelände nordöstlich der Bahnanlagen hatte die so genannte »Park­landgesellschaft«, an der Schütte maßgeblich be­teiligt war, von der Stadt gekauft und wollte mit dem Denkmal zusätzlichen Glanz in den neuen Stadtteil bringen. Der Senat stimmte der Schen­kung im Juli 1902 zu. Schütte beauftragte dar­aufhin den Berliner Künstler Louis Tuaillon, von dem er schon den »Rosselenker« erworben hatte, mit der Schaffung eines Reiterstandbildes.

Einen Entwurf und ein Modell gab es zu diesem Zeitpunkt allerdings schon, da Tuaillon

an einem Wettbewerb mit gleicher Aufgaben­stellung in Charlottenburg teilgenommen hatte. Aber eben dieser in Bremen bekannte Entwurf, von dem man annahm, dass er in ähnlicher Form ausgeführt werden würde, wurde von Tu­aillon in wesentlichen Details überarbeitet und gravierend geändert. Jedenfalls nahmen an der nun vorgesehenen Darstellung des Kaisers in römischer Imperatorentracht vor allem kon­servativ ausgerichtete Bremer Künstler wie Ar­thur Fitger und Johann Georg Poppe Anstoß und entfachten eine heftige Diskussion um das Denkmal. Dies führte letztlich dazu, dass der Se­nat seine Zustimmung zurückzog und zunächst auf diplomatischem Weg in Erfahrung bringen wollte, ob Kaiser Wilhelm II. die Darstellung sei­nes Vaters missbilligen würde.

Was man befürchtet hatte, trat aber nicht ein; der Kaiser stand dem Entwurf sogar sehr wohlwollend gegenüber. Das Denkmal konnte also aufgestellt und am 22. März 1905 im Bei­sein von Kaiser Wilhelm II. feierlich enthüllt werden.

Das Denkmal

Kaiser Friedrich III. wird auf einem ruhig schrei­tenden Pferd als kräftiger römischer Feldherr mit einem eng anliegenden Lederpanzer dargestellt. Das Denkmal steht auf einem ellipsenförmigen, mit nur wenigen Ornamenten verzierten Pos­tament. An der Stirnseite des Bronzesockels ist eine vergoldete Schrift angebracht: »Dem An­denken des Kaisers Friedrich III.« An der Ober­kante der Plinthe sind der Künstler und die Gie­ßerei genannt: »L. Tuaillon fec. 1905 Guss H. Noack Berlin.« Bei dem Reiterstandbild handelt es sich um eine selbst tragende Bronzehohlplas-

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