Heft 
(2006) Bd. 3. [Dom]
Seite
38
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Axel Vos

25 Jahre Denkmalpflege im Haus des Reichs, dem ehemaligen Nordwollehaus

Genau genommen sind es schon 28 Jahre, die vergangen sind, seitdem das Haus des Reichs un­ter Denkmalschutz steht. Das soll Anlass genug sein, hier einmal von einem der größten und in­teressantesten Verwaltungsgebäude Bremens zu berichten und insbesondere davon, welche An­strengungen erforderlich waren und weiterhin bleiben werden, dieses wertvolle Baudenkmal zu erhalten und zu pflegen.

Dieses riesige Kontorhaus (um im Sprachge­brauch der Entstehungszeit zu bleiben) wurde in den Jahren 1928-1930 als Konzernzentrale für die Norddeutsche Wollkämmerei und Kamm­garnspinnerei von den Bremer Architekten Her­mann und Eberhard Gildemeister erbaut.

Firmen- und Nutzungsgeschichte

Die »Norddeutsche Wollkämmerei und Kamm­garnspinnerei« (kurz: Nordwolle oder NW&K) mit ihren ca. 20 angeschlossenen Tochterfirmen in Europa und Südamerika war in den 1920er Jahren einer der größten Wolle verarbeitenden Konzerne der Erde. Das Stammwerk in Delmen­horst mit Handelssitz in Bremen war im Jahre 1884 von Martin Christian Leberecht Lahusen (1820-1898) gegründet worden. Die Entschei­dung, dieses Werk nicht in Bremen, sondern in Delmenhorst anzusiedeln, war darin begründet, dass das Gebiet der Freien Hansestadt Bremen bis zum Zollanschluss 1888 nicht zum Zollge­biet des Deutschen Reiches gehörte. Auf dem ca. 14 Kilometer kurzen Weg vom damals neu­en Hafen in Bremen zum Werk in Delmenhorst musste die Rohwolle wie alle Waren verzollt wer­den. Der Zoll für in Bremen hergestellte und ins Zollinland eingeführte Fertigprodukte wäre un­gleich höher gewesen. Somit wird diese unter­

nehmerische Entscheidung verständlich. Wei­tere Argumente für die Standortentscheidung waren der direkte Anschluss an die Eisenbahnli­nie Bremen-Oldenburg und die das riesige Are­al durchfließende Delme, die das erforderliche Wasser zum Waschen der Rohwolle lieferte.

Die Konzernzentrale wurde 1929 auf Initiati­ve der beiden Vorstandsmitglieder der Aktienge­sellschaft, der Brüder G. Carl und Heinz Lahusen, von Delmenhorst wieder nach Bremen verlegt. Hierfür wurde der Neubau eines Verwaltungsge­bäudes erforderlich: das »Nordwollehaus« an der Contrescarpe. Dieses neue Haus mit ca. 18.500 Quadratmetern Nutzfläche wurde jedoch nur etwa zur Hälfte von der Nordwolle genutzt. Die andere Hälfte wurde vermietet, hauptsächlich als Kontorflächen. Aber auch mehrere Läden, ein Postamt, eine Bank, ein Zahnarzt und ein großer Friseursalon waren vorhanden.

Die Nordwolle ging im Sommer 1931, nur knapp zwei Jahre nach Fertigstellung des Gebäu­des und ein Jahr, nachdem die aufwändig ausge­baute Direktionsetage bezogen werden konnte, in Konkurs. Dieser erschütterte Bremen und das ganze damalige Deutsche Reich. Im Bereich des Gesamtkonzerns wurden schlagartig über 22.000 Menschen arbeitslos. Im Zusammenhang mit dem Nordwolle-Konkurs kamen auch mehrere Banken und Firmen in größte Bedrängnis und mussten zum Teil Konkurs anmelden, darunter die renommierte Danat-Bank (Darmstädter- und Nationalbank).

Das Nordwollehaus wurde im Dezember 1933 vom Deutschen Reich ersteigert. Am 12. Mai 1934 wurde es als »Haus des Reichs« neu eröffnet und offiziell eingeweiht. Der Name, der sich bis heute erhalten hat, erklärt sich dadurch, dass die in Bre­men ansässigen Reichsbehörden hier ein gemein­sames Dienstgebäude einrichteten.