ländischer Juden gefordert wurde, postierten sich dennoch am 1. April SA- Leute vor dessen Laden und klebten die üblichen Zettel an die Schaufensterscheiben. Seine Proteste und der Hinweis auf seine Staatsangehörigkeit hielten die Männer nicht davon ab, ihn zu bedrohen und bis zum Nachmittag am Verlassen des Geschäftes zu hindern. Nach einer neuerlichen Klage des Konsuls über die Behandlung seines Landsmannes bedauerte der Bremer Innensenator zwar den Vorfall, wies aber darauf hin, daß die Möglichkeit zur Information des Aktionsausschusses bestanden habe. Dem Konsulat schlug er vor, eine Liste mit den in Bremen wohnenden Niederländern einzureichen, um über Bescheinigungen ihren Schutz vor weiteren Belästigungen zu erreichen.
Die Polizei
Eine nicht unwichtige Rolle spielte in diesen Tagen die Polizei. Sie mußte in die Boykottaktion miteinbezogen werden, da sie sonst leicht zum Hindernis werden konnte. In rascher Folge eingehende Funksprüche lenkten die Aufmerksamkeit der Bremer Polizei im Laufe des 31. März vor allem auf zwei Dinge: die von ihr am nächsten Tag zu beachtenden Verhaltensmaßregeln und die Kommunisten 141 .
Mit der Aufforderung an die „Polizeiverwaltung", „unverzüglich — soweit noch nicht geschehen — mit Führern nationaler Verbände, insbesondere den Aktionsausschüssen [...] gleichmäßiges Verhalten während der von der Reichsregierung ausdrücklich zugelassenen Boykottbewegung zu vereinbaren", war der Hinweis verbunden, die Polizei solle die Aktion nicht behindern, nur bei offensichtlicher Gewalttätigkeit gegen „Leben und Eigentum" einschreiten und im übrigen die Auswirkungen „großzügig" auffassen 142 . Diese Vorschriften machten die Polizei zum Befehlsempfänger der Parteidienststellen und zu ihren Verbündeten am nächsten Tag.
Während man offensichtlich aus den Reihen der jüdischen und deutschen Bevölkerung keinen stärkeren Widerstand erwartete, plagten sich die Polizeistellen in verschiedenen Teilen des Reiches mit Gerüchten, die von großer Kommunistenaktivität am 1. April sprachen. Auch wenn die Literatur kaum etwas über dieses Phänomen aussagt, zeugen doch hin und her gehende Polizeiinformationen davon, daß man damals ernsthaft mit den Kommunisten rechnete. Mehrmals im Laufe des Tages warnte der Reichsinnenminister vor deren angeblicher Absicht, während des Boykotts Unruhe zu stiften durch Auftreten in SA-Uniform, Einwerfen von Schaufenstern und weitere Gewalttätigkeiten 143 . Die Ordnungspolizei wurde daraufhin angewiesen, „vorbeugende besondere Maßnahmen zu treffen [...]", um even-
141 Funksprüche des RMdl vom 31.3. 1933, aufgenommen vom Polizeifunkdienst, Leitfunkstelle Bremen (Qu. 95).
142 Funkspruch vom 31. 3. 1933, 16.54 Uhr (ebd.).
143 Funksprüche vom 31. 3. 1933, 11.27 Uhr und 16.45 Uhr (ebd.).
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