zwischen 1930 und 1933 123 . Wie sehr sich diese Interessengruppe nach Konsolidierung der Verhältnisse sehnte, beweist die bereits zitierte Warnung vor Boykott und Terror vom September 1932. So war es nicht verwunderlich, daß die Vertreter des bremischen Einzelhandels, zusammengeschlossen in der Vollversammlung der Kleinhandelskammer, auf ihrer ersten Zusammenkunft nach dem Machtwechsel in Bremen sich einstimmig für den neuen Senat aussprachen 124 . Vor allem gab man der Hoffnung auf kraftvollen Wiederaufbau Ausdruck.
Auf der Kammersitzung am Vortage des Boykotts waren natürlich die geplanten Aktionen Gesprächsthema, doch bis auf die Erwähnung „längerer Ausführungen" ist der Inhalt der Beratung nicht überliefert. Allerdings hielt man es „in Anbetracht der politischen Verhältnisse" nicht für ratsam, einer jüdischen Firma, die gerade 25jähriges Geschäftsjubiläum hatte, den üblichen Glückwunsch zu senden 185 .
In ihrem Organ „Der Einzelhändler" informierte die Kleinhandelskammer ihre Mitglieder auffallend sachlich und blieb es selbst in der Folgezeit bei Fragen, die die Juden betrafen. Ein in diesen Tagen ungewohnter Ton klang auch aus einer Erklärung des überregionalen Edeka-Verbandes, angesichts des bevorstehenden Boykotts noch abgegeben zur Greuelpropaganda und veröffentlicht für den örtlichen Einzelhandel. Nach den üblichen Worten zu diesem Thema heißt es dort: „Sämtliche Einzelhandelsverbände mit allen Einzelmitgliedern, auch den jüdischen, stehen geschlossen hinter Reichsregierung im unbedingten Vertrauen, daß sie das Wohl des deutschen Volkes und seiner Bürger aller Konfessionen [. . .] sicherzustellen bemüht ist." 128
Der Senat
Die politische Spitze Bremens verhielt sich in keiner Weise abwartend oder zögernd. Nachdem Bürgermeister Dr. Markert in einer Sitzung am 29. März auf den geplanten Boykott hingewiesen und die Unterstützung durch die bremischen Behörden gefordert hatte, beantragte er, „der Senat wolle einen entsprechenden Beschluß fassen und die Behörden anweisen, ihren Bedarf nicht mehr aus jüdischen, sondern ausschließlich aus deutschen Geschäften zu beziehen" 127 . Tatsächlich wurde so verfahren und der Beschluß über die „Bedarfsdeckung der bremischen Behörden" sogleich veröffent-
123 Vgl. die „Sonderveranstaltungen und Ausverkäufe", in: Der Einzelhändler, 1930 bis 1933.
124 Der Einzelhändler, 1.4.1933, zur Vollversammlung vom 23.3.1933; Hasenkamp, S. 226.
125 Sitzung der Kleinhandelskammer vom 31. 3. 1933 (Qu. 121).
126 Der Einzelhändler, 1. 4. 1933. Diese Erklärung sollte vom Präsidenten der Internationalen Vereinigung des Lebensmittel-Einzelhandels an 26 angeschlossene Organisationen telegraphisch übermittelt werden.
127 Qu. 1.
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