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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
Entstehung
Seite
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nähme gegen die Greuelpropaganda im Ausland. Julius Bamberger über­reichte als betroffener Kaufhausbesitzer und Vorsitzender der Ortsgruppe Bremen des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens der Behörde am 29. März 1933 Material, aus dem die Bemühungen um eine ge­meinsame Resolution aller Central-Vereins-Stellen gegen die Greuelhetze im Ausland hervorgehen sollten 119 .

Zwei Tage später informierte Bamberger die Polizeidirektion über drei Telegramme, die er an Warenhäuser in Zürich, London und Paris gesandt hatte:Habe heute meine Geschäfte als Protest gegen ausländische Greuel­propaganda geschlossen. Veranlaßt dort Veröffentlichung." 120 Zugleich legte er das Schreiben einer anderen jüdischen Firma Bremens vor, das diese am 30. März an etwa zehn Firmen im näheren und weiteren Ausland verschickt hatte 121 . Dieser Brief steht beispielhaft für den Tenor der Korrespondenz zwischen deutschen Juden und ausländischen Geschäftspartnern und wird daher hier wiedergegeben:Wir nahmen heute Veranlassung, Ihnen wie folgt zu drahten: .Hetzpropaganda gegen Deutschland vollkommen unberech­tigt. Hier Ruhe und Ordnung. Verbreitet dieses im Freundeskreis', was wir hiermit bestätigen. Die ausländischen Zeitungen veröffentlichten Berichte [...], die den tatsächlichen Verhältnissen in unserem Land nicht ent­sprechen. Speziell wird sowohl über Judenverfolgungen und über schlechte Behandlung speziell gegen Juden geschrieben, so daß wir uns veranlaßt sehen, gegen diese unwahren Behauptungen Stellung zu nehmen. Wir können nur sagen, daß die Verhältnisse in Deutschland in jeder Beziehung durchaus geregelt sind, und daß Ruhe und Ordnung herrscht. Uns ist kein Fall bekannt geworden, daß beispielsweise in Bremen irgendetwas von die­sen im Ausland verbreiteten Gerüchten zutrifft. Die neue Regierung hat die Macht und den festen Willen, die Ordnung in einer beispiellosen Disziplin aufrechtzuerhalten. Wir halten es daher für unsere Pflicht, Sie über diese Tatsachen aufzuklären." 122

Der Einzelhandel

Eine kräftige Triebfeder der Boykottaktion war, wie erwähnt, derKampf­bund des gewerblichen Mittelstandes". Sein Ziel war es, die Position des deutschen Einzel- und Fachhandels gegenüber Warenhäusern, Einheitspreis­geschäften und Großhandelsbetrieben zu stärken und die jüdische Konkur­renz auf allen diesen Gebieten auszuschalten. Das konnte denarischen" Bremer Einzelhändlern im Grunde nur recht sein. Diesem Handelszweig war es in den Tagen der Wirtschaftskrise besonders schlecht gegangen. Das belegen die vielen Geschäftsauflösungen im Bremer Stadtgebiet in der Zeit

119 Vermerk der Pol.-Dir. vom 30. 3. 1933 (Qu. 95).

120 Schreiben Bambergers vom 31. 3. 1933 an die Pol.-Dir. (ebd.).

121 Nach England, Holland, Italien, Rumänien, Ungarn, Polen und den USA (Qu. 119).

122 Wie Anm. 120.

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