Heft 
(2018) Bd. 15. Renaissance
Seite
104
Einzelbild herunterladen
 

Denkmalpflege in Bremen Heft 15

Ottmar Struwe und Achim Todenhöfer

Aktuelle Praxisberichte

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht - die künstliche Turmruine in Bremen-Grohn

Es ist anzunehmen, dass nur wenige Menschen in Bremen-Nord die künstliche Ruine gegenüber der Grohner Düne kennen, obwohl sie einzig­artig in Bremen ist und deutschlandweit nur we­nige weitere Beispiele des Bautyps überliefert sind. Wahrscheinlich liegt dies in erster Linie an der dichten Vegetation, in der das Denkmal ver­borgen ist, aber wohl auch daran, dass es nicht in Knoops Park oder in Wätjens Park steht.

Um 1840 verwandelte Johann Lange junior (1804-1876), der älteste Sohn des bedeutenden Vegesacker Werftbesitzers, das Areal hinter dem angestammten Langeschen Wohnhaus in einen prächtigen Park. In zeittypischer Manier ließ er ihn als englischen Landschaftsgarten anlegen und mit einer künstlichen neogotischen Turm­ruine auf einer kleinen Anhöhe ausstatten. Die Turmruine war einer von vermutlich mehreren Staffagebauten des Parks. Leider sind weder das Langesche Wohnhaus noch der Park erhal­ten. Lediglich die künstliche Turmruine ist als Parkrelikt überliefert und fristete bis zur Un­terschutzstellung im Jahre 2012 ein relativ un­beachtetes Dasein - mit entsprechenden Folgen für die Bausubstanz.

Ungehinderter Wassereintritt verursachte ein völlig durchfeuchtetes Mauerwerk mit den daraus resultierenden Frostschäden im Winter. Diverse Steine der Vormauerschale aus Bruch­steinen hatten sich vom Kernmauerwerk aus Ziegeln gelöst und waren herabgefallen und im Laufe der Jahre verschwunden. Die dichte Vege­tation am Gebäude und der mit dem Mauer­werk verwachsene Efeu setzten dem Bauwerk ebenfalls enorm zu.

Es gab also dringenden Handlungsbedarf, aber leider zunächst keine finanziellen Mittel. Dies änderte sich erst, als das Landesamt für Denk­malpflege ca. 50 Prozent der benötigten Gelder beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, damals Staatsminister Neu­mann, einwerben konnte. Nachdem dann auch die Landesmittel bereitgestellt worden waren, konnte es mit der Sanierung des Mauerwerks, der Stahlbetondecken und der Fundamente los­gehen. Zunächst galt es, den schädlichen Be­wuchs schonend zu entfernen, das Mauerwerk zu ertüchtigen sowie eine wesentlich bessere Entwässerung der Sohlplatte und der Decken herzustellen. Leider war es auch erforderlich, die unterste Ebene mit Gittern abzusperren, um ungeeignete Nutzungen zu verhindern und die damit einhergehende Gefahr für die Kinder des Spielplatzes an der künstlichen Ruine aus­zuschließen.

Der Turm wird, wenn die Planungen für das Integrierte Entwicklungskonzept für das Gelän­de abgeschlossen sein werden, sicherlich der Mittelpunkt des kleinen Parks an der Grohner Düne sein und dann hoffentlich auch mehr Beachtung finden.

Bauhistorische Untersuchungen am Landhaus Heineken in Oberneuland

Im Jahr 1782 erwarb der Jurist und spätere Bre­mer Bürgermeister Dr. Christian Abraham Hei­neken (1752-1818) vom oldenburgischen Hof­rat Schumacher ein Landgut in Oberneuland. Die dazugehörige Parkanlage, das ehemalige sogenannte Vorwerk, und die beiden Bauten, das Landhaus Heineken und das Hofmeierhaus, stehen seit Langem unter Denkmalschutz. Wäh-

104